3.4.4 Zukünftiges Busliniennetz

Nach dem Abgleich des heutigen Busliniennetzes mit der Verkehrsnachfrage kann eine weitgehende Deckung des heutigen Verbindungsangebotes mit der Hauptverkehrsnachfrage festgestellt werden. Nur im Fall der Buslinien 848 und 849 könnte durch eine Linienmodifikation der Verkehrsnachfrage besser entsprochen werden.

Den ansonsten festgestellten Bedienungsmängeln kann nur durch zusätzliche Angebote begegnet werden. Gleiches gilt auch für die in der Analyse ausgewiesenen Mängel im Neusser Süden.

Bei zusätzlichen Angeboten ist aufgrund der Haushaltslage der kommunalen Kassen auf eine wirtschaftliche Vertretbarkeit zu achten. Da zusätzliche Leistungen i. d. R. nur gegen Entgelt von den Verkehrsunternehmen geleistet werden können, führt dies zu Mehrausgaben für den Aufgabenträger.

Linienwegsänderung für die Buslinien 848 und 849

Linie 848: Hauptbahnhof – Lukaskrankenhaus – Hauptbahnhof als Ringlinie

Linie 849: Johanna-Etienne-Krankenhaus – Blankenheimer Straße (Erfttal)

Begründung

Die Buslinien 848 und 849 haben beide als Endhaltestelle nach Fahrplan das Lukaskrankenhaus im Stadionviertel ausgewiesen; die Linie 848 beginnt am Johanna-Etienne-Kranken-haus in der Neusserfurth und die Linie 849 an der Blankenheimer Straße in Erfttal. Umlauftechnisch werden die beiden Buslinien durchgehend von jeweils einem Fahrzeug bedient, so dass an der „Endhaltestelle“ Lukaskrankenhaus nur die Ziel- und Busnummernanzeige gewechselt werden; Standzeiten sind hier heute nicht eingeplant.

Zwischen Erfttal und Neusserfurth sind ausgeprägte Verkehrsverflechtungen feststellbar. Zwischen dem Stadionviertel und der Neusserfurth sowie nach Erfttal bestehen dagegen nur geringe Verkehrsverflechtungen; Hauptquell- und -zielorte für das Stadionviertel liegen in der Neusser Innenstadt.

Im Verlauf des Konrad-Adenauer-Ringes wurde vermehrt der Wunsch nach einer durchgehenden Linienverbindung geäußert, dem durch die Ringlinie sowohl in Nord-Süd-Richtung als auch umgekehrt Rechnung getragen wird.

Auswirkungen

  • Die Summe der Linienbeförderungsfälle über beide Linien bleibt nahezu konstant.
  • Die Verkehrsbelastung der Buslinie 849 im Bereich des Konrad-Adenauer-Rings steigt im Querschnitt um rd. 500 Pers.-Fahrten pro Tag an.
  • Eine durchgängige Befahrbarkeit des Konrad-Adenauer-Rings auf dem Abschnitt zwischen Rheydter Straße und Bergheimer Straße wirkt sich positiv aus.

Neue Buslinie Norf – Taubental – Gnadental – Hauptbahnhof

Angebot einer neuen Buslinie im 20-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten von 6.00 – 9.00 Uhr sowie von 12.00 – 20.00 Uhr.

Begründung

Das Ziel dieser neuen Buslinie ist die Verbesserung der Erschließung der Gewerbe- und Dienstleistungsstandorte Taubental, Hammfeld I und der Hafenmole 1. Zudem wird auf die relativ starken Verkehrsverflechtung zwischen Norf und dem Gewerbestandort im Taubental durch eine Taktverdichtung reagiert.

Auswirkungen

  • Die Linie kann rd. 5.300 Pers.-Fahrten pro Tag als Linienbeförderungsfälle generieren.
  • Am Alexianerplatz werden künftig rd. 780 Personen/Tag in die und aus der neuen Linie umsteigen, am Hauptbahnhof sogar 1.200 Personen/Tag.
  • Über den Alexianerplatz hinaus werden 2.910 Personenfahrten pro Tag stattfinden.

Neue Buslinie Neuss-Süd S – RheinparkCenter

Angebot einer neuen Buslinie im 20-Minuten-Takt in den Hauptverkehrszeiten von 6.00 – 9.00 Uhr sowie von 12.00 – 20.00 Uhr.

Begründung

Das Ziel der neuen Buslinie ist die Verbesserung der Erschließung der Bereiche Hammfeld I und II mit Anbindung an die S-Bahn-Strecken aus Richtung Düsseldorf und aus Richtung Köln.

Auswirkungen

  • Die Linie kann rd. 1.500 Pers.-Fahrten pro Tag als Linienbeförderungsfälle generieren.
  • Vom Bus in die S-Bahn und umgekehrt steigen am RheinparkCenter 300 Pers.-Fahrten pro Tag und an Neuss Süd 100 Pers.-Fahrten pro Tag um.
  • In Abhängigkeit der genauen Linienführung, entweder durch die Eichendorffstraße, die hierzu entweder ausgebaut oder als Einbahnstraße ausgewiesen werden müsste, oder entlang der heutigen Führung über die Bergheimer Straße – Weberstraße, werden für den Betrieb der Linie ein oder zwei Fahrzeuge gebraucht. Aufgrund der Kostenersparnis wird die Führung über die Eichendorffstraße empfohlen.

Veränderungen im Neusser Süden

Mit Inbetriebnahme des S-Bahn-Hp Neuss-Allerheiligen und der weiteren Entwicklungen in Allerheiligen verschieben sich teilweise die Nachfrageschwerpunkte. Mit Einrichtung der neuen Buslinie 850 Uedesheim – Allerheiligen – Rosellen muss eine Neuordnung des ÖPNV im Neusser Süden erfolgen. Zudem bestehen Forderungen nach einer verbesserten Anbindung einzelner Ortslagen untereinander, was nur durch tangential geführte Buslinien zu realisieren ist.

Um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, wurden verschiedene Einzelmaßnahmen entwickelt, die in unterschiedlicher Kombination zu einem Gesamtkonzept für den Neusser Süden zusammengefügt werden können. Aus der Vielzahl der Möglichkeiten sind drei sinnfällige Alternativen zusammengestellt und hinsichtlich ihrer Auswirkungen geprüft worden.

Alternative 1

vorgesehene Maßnahmen:

  • Einstellung der Buslinie 878 (Grevenbroich – Neuss-Norf – Neuss-Stüttgen)
  • Verlängerung der Buslinie 844 bis zum S-Bahn-Hp Neuss-Norf
  • Einrichtung eines Bürgerbusses (s. Kap. 3.4.6) Holzheim – Hoisten – Allerheiligen

Begründung

  • Aus den Stadtteilen Weckhoven und Hoisten wurde der Wunsch nach einer Verbesserung der Anbindung an die S-Bahn geäußert. Eine Verlängerung der Buslinie 844 würde diesem Wunsch gerecht werden.
  • Zudem besuchen viele Schüler aus dem Bereich Weckhoven und Hoisten die Schulen in Norf. Durch die vorgeschlagene Verlängerung der Buslinie 844 könnte hier die Erschließung des Gymnasiums in Norf verbessert werden.
  • In Abhängigkeit des sich ergebenden Umlaufs für die künftige Buslinie 844 unter Beachtung der Kombination mit der Buslinien 843 kann sich eine Option auf eine Verlängerung der Linie bis ins Taubental ergeben und damit zu einer Verbesserung der Verbindung zwischen Weckhoven, Hoisten, Norf und dem Gewerbegebiet Im Taubental beizutragen.
  • Die Buslinie 878 verbindet die Stadt Grevenbroich mit dem Neusser Sü-den. Das heutige Fahrtenangebot mit 7 Fahrten pro Tag und Richtung ist gering. Der Busbetrieb bis Elvekum und bis Stüttgen erfolgt heute bereits nur auf Bestellung der Stadt Neuss. Zudem ist die heutige Fahrgastzahl gering. Eine Einstellung der Linie wird daher vorgeschlagen.
  • Die Bürgerbuslinie Holzheim – Hoisten – Allerheiligen kompensiert die durch die Einstellung der Buslinie 878 entfallenden Fahrten und verbessert die Erreichbarkeit der S-Bahn aus dem Bereich Weckhoven/Hoisten.

Auswirkungen

  • Durch die Verlängerung der Buslinie 844 ergibt sich eine Verlängerung der Umlaufzeit und dadurch bedingt ein zusätzlicher Bedarf von einem Fahrzeug.
  • Die maximale Fahrzeugbelegung wird hiernach mit rd. 8 Personen pro Fahrzeug ausgeschöpft (in Einzelfällen Gefahr der Überschreitung der maximalen Kapazität durch die Nachfrage). Durch den vorgeschlagenen Linienweg der Bürgerbuslinie beträgt die reine Fahrzeit rd. 57 Minuten, wodurch sich mit Unterschreitung der üblichen Wendezeit ein Umlauf von 60 Minuten ergibt.
  • Die Bürgerbuslinie wird bei einem Stundentakt rd. 360 Pers.-Fahrten pro Tag generieren.
  • Als Gesamtkonzept können mit den vorgeschlagenen Maßnahmen 2.900 neue Pers.-Fahrten pro Tag für den ÖPNV generiert werden.
  • Die Verlängerung der Buslinie 844 und die Einrichtung der Bürgerbuslinie ergeben eine Erhöhung der Betriebsleistung um rd. 62.000 km/Jahr, wobei die Bürgerbuslinie hierbei nur mit einem Achtel der tatsächlichen Fahrleistung berücksichtigt wurde. Hierdurch wird die unter-schiedliche Kostenstruktur beim Linien- und Bürgerbusverkehr berücksichtigt.

Alternative 2

Vorgesehene Maßnahmen:

  • Einstellung der Buslinie 878
  • Einrichtung eines Linienbusses Uedesheim – Taubental – Norf – Hoisten – Weckhoven – Holzheim
  • Einrichtung eines Bürgerbusses Holzheim – Hoisten – Allerheiligen
  • Rücknahme der Buslinie 850 bis Stüttgen

Begründung

  • In das Gewerbegebiet Taubental bestehen heute nur aus Norf direkte Busverbindungen. Eine bessere Verbindung aus dem Bereich Uedesheim wäre durch die neu vorgeschlagene Buslinie Uedesheim – Taubental – Holzheim gegeben. Umgekehrt wäre auch eine bessere Erreichbarkeit des Gewerbegebietes aus den Ortslagen Weckhoven und Hoisten möglich.
  • Durch die Ansiedlung einer Realschule in Holzheim besteht ein vermehrter Wunsch nach einer Tangentialverbindung im Neusser Süden, diese kann durch die vorgeschlagene Linie abgedeckt werden. Zudem verbessert sich die Erreichbarkeit des Norfer Gymnasiums aus Richtung Weckhoven und Hoisten durch die Linie.
  • Die Führung der neuen Linie bis Uedesheim und damit einer Anbindung von Uedesheim an die S-Bahn in Norf bedingt eine Rücknahme der Buslinie 850. Um künftig auch die ÖPNV-Erschließung des Gewerbestandortes Tucherstraße zu gewährleisten, wird die Rücknahme der Linie 850 nur bis Stüttgen vorgeschlagen.
  • Zur Bürgerbuslinie Holzheim – Hoisten – Allerheiligen und zur Buslinie 878 siehe Begründungen unter Alternative 1.

Auswirkungen

  • Die neue Linie Uedesheim – Taubental – Holzheim hat eine Fahrzeit von 35 Minuten je Richtung, woraus sich eine Umlaufzeit von 100 Minuten ergibt, die durch eine lange Wendezeit von rd. 30 Minuten sehr ineffektiv ist. Der Fahrzeugbedarf beträgt durch den angestrebten 20-Minuten-Takt somit 5 Fahrzeuge.
  • Ein Übergang zwischen Bus und S-Bahn in Norf ist in Teilen bei bestehenden Taktlagen möglich. Allerdings ist am S-Bahn-Hp Neuss-Norf kein koordinierter Umstieg zwischen Bus und S-Bahn in alle Richtungen möglich. Anders als am S-Bahn-Hp Neuss-Allerheiligen liegen die Ankunfts- und Abfahrtszeiten der S-Bahn deutlich auseinander. Am S-Bahn-Hp Neuss-Allerheiligen kommen die S-Bahnen aus beiden Richtungen mit einem zeitlichem Abstand von nur einer Minute an.
  • Als Gesamtkonzept können mit den vorgeschlagenen Maßnahmen rd. 3.050 neue Pers.-Fahrten pro Tag für den ÖPNV gewonnen werden.
  • Die neue Buslinie Uedesheim – Taubental – Holzheim und die Bürgerbuslinie Holzheim – Hoisten – Allerheiligen ergeben trotz Einstellung der Buslinie 878 und Verkürzung des Linienwegs der Buslinie 850 einen Anstieg der Betriebsleistung um rd. 430.400 km/Jahr. Durch Reduzierung des Angebotes der neuen Linie könnte hier eine Reduzierung der Betriebsleistung erfolgen. Allerdings würde damit auch die Verbindungshäufigkeit zwischen den einzelnen Standorten verringert.

Alternative 3

Vorgesehene Maßnahmen

  • Einstellung der Buslinie 850 (Rossellerheide – Allerheiligen – Uedesheim)
  • Einrichtung eines Linienbusses Uedesheim – Taubental – Norf – Hoisten – Weckhoven – Holzheim
  • Neue Linienführung der Buslinie 878 ab Grevenbroich-Neukirchen über Rosellen – Allerheiligen bis Stüttgen
  • Einrichtung eines Bürgerbusses Holzheim – Hoisten – Allerheiligen

Begründung

  • Alternativ zur neuen Buslinie 850 Rosellen – Allerheiligen – Uedesheim könnte auch der Vorschlag des Nahverkehrsplanes des Kreises Neuss aufgegriffen werden, der bei Einrichtung einer Linienverbindung Uedesheim – Norf – Weckhoven eine Führung der Buslinie 878 ab Grevenbroich-Neukirchen über Rosellen und Allerheiligen vorschlägt.
  • Hierdurch würde auch der Bereich Grevenbroich-Neukirchen besser an die S-Bahn nach Köln und Düsseldorf angebunden.
  • Begründung zur Bürgerbuslinie Holzheim – Hoisten – Allerheiligen siehe Alternative 1

Auswirkungen

  • Die Buslinie 878 hätte somit eine Umlaufzeit von 120 Minuten und bedingt bei einem Stundentakt den Einsatz von 2 Fahrzeugen.
  • Bei Beibehaltung der heute auf der Buslinie 878 angebotenen Fahrtenanzahl würde eine Anbindung von Rosellen und Allerheiligen gegenüber der bisher vorgesehenen Anbindung durch die Buslinie 850 deutlich verringert. Zudem ist ein koordinierter Umstieg aus allen Richtungen am S-Bahn-Hp kaum realisierbar, da die Linie nur stündlich verkehrt und zudem überwiegend regionalen Verbindungscharakter hat und damit kaum lange Standzeiten verträglich eingerichtet werden können.
  • Die Gesamtwirkung des Konzepts mit den vorgeschlagenen Maßnahmen generiert rd. 2.900 neue Pers.-Fahrten pro Tag für den ÖPNV.
  • Die Betriebsleistung erhöht sich durch die vorgeschlagenen Maßnahmen um rd. 341.700 km/Jahr; hierbei ist die Einstellung der Buslinie 850 berücksichtigt.

Empfehlung

Alle drei Alternativen weisen nahezu die gleiche Nachfragewirkung auf. Hinsichtlich der Betriebsleistungen ergeben sich allerdings deutliche Unterschiede.

  • Die vorgeschlagene Buslinie Uedesheim – Taubental – Norf – Hoisten – Weckhoven – Holzheim (Alternative 3) ergibt bei einem 20-Minuten-Takt rd. 500.000 zusätzliche Betriebskilometer. Demgegenüber weist die Linie rd. 2.500 Linienbeförderungsfälle pro Tag auf. Die Buslinie 850 Uedesheim – Allerheiligen – Rosellen hat zum Vergleich bei einer Betriebsleistung von rd. 230.000 km/Jahr rd. 2.400 Beförderungsfälle pro Tag. Bei einer ähnlich hohen Nachfragewirkung würde eine Buslinie Uedesheim – Taubental – Holzheim demnach mehr als das Doppelte kosten.
  • Die Vorteile der Buslinie 850 mit Ausgestaltung eines koordinierten Umstiegs am S-Bahn-Hp Neuss-Allerheiligen können mit der Buslinie Uedesheim – Taubental – Holzheim nicht erreicht werden.

Aufgrund einer deutlich geringeren Mehrung der Betriebsleistung wird bei gleicher Nachfragewirkung die Alternative 1 empfohlen.