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Menschen mit hellen Gesichtern

Bericht von Dr. Natalie Kourchanowa, Leiterin des Pskower Bildungszentrums der sozialen Eingliederung und Vorsitzende des dortigen Fördervereins Pskow Neuss, über ihren Aufenthalt im Dezember 2010 in Neuss.

Das verschneite Neuss ist schon etwas Besonderes, jedenfalls zu dieser Zeit. Vier russische Studentinnen und zwei Dozenten aus der russischen Partnerstadt Pskow fühlen sich hier wohl. Kein Wunder: in Sankt-Petersburg kurz vor dem Abflug am 1.12 haben sie einen richtigen russischen Winter mit 25° unter Null erlebt und hier in Düsseldorf nur noch minus 10°. Warm! Da sind die Deutschen wohl anderer Meinung.

Die kleine Delegation aus Pskow kam im Rahmen eines neuen Projektes nach Neuss. Der Delegation gehören vier junge Frauen an, die an der Pskower Staatlichen Pädagogischen Universität seit fünf Semestern Sozialarbeit studieren. Begleitet wurden sie von Dr. Ludmila Iwanowa, Dekanin der Fakultät der Sozialen Technologien, und Dr. Natalie Kurchanowa, Leiterin des Bildungszentrums der sozialen Eingliederung und Vorsitzende des "Fördervereins Pskow-Neuss".

Das Ziel des Aufenthaltes war die Kooperation im Bereich der Sozialarbeit. Es handelte sich also um einen Informationsbesuch. Einerseits sollen die Studierenden die praktische Arbeit in den Einrichtungen kennen lernen, wie in der Förderschule am Nordpark mit dem Förderschwerpunkt "Geistige Entwicklung", wie in der Kivitzbusch-Kita, einem integrativen Kindergarten, „Wetterhäuschen“ genannt für körperlich behinderte, geistig behinderte und nicht behinderte Kinder, wie im "Geschwister-Scholl-Haus"; wie dem Erzbischöflichen Berufskolleg in der Marienstrasse und der der "Neusser Tafel". Andererseits sollte der Versuch unternommen werden, eine Kooperation mit deutschen Universitäten und Fachhochschulen auf diesem Gebiet zu suchen. so fand nach der Besichtigung der sozialen Einrichtungen der Besuch der Universitäten statt.

An der Bergischen Universität Wuppertal fand ein Gespräch mit Prof. Dr. Andreas Schaarschuch statt, Dekan des Fachbereiches Bildungs- und Sozialwissenschaften. Zusammen mit anderen Professoren sprach man über die mögliche Zusammenarbeit im Forschungsbereich und über gemeinsamen Forschungsprojekte. In Pskow (Russland) laufen erfolgreich schon über 20 internationale praktisch orientierte Projekte mit deutscher Beteiligung. Im Ergebnis sind einige soziale Einrichtungen entstanden, die nach breit angelegten sozialpädagogischen Konzepten arbeiten. Darunter gibt es auch für Russland einmalige Einrichtungen, z.B. die Behindertenwerkstatt oder das Zentrum der Heilpädagogik für geistig behinderte Kinder und Jugendliche. Für die russischen Kollegen wäre es wichtig anhand der Analyse der praktischen Ergebnisse und der weiteren Bedürfnisse der Nutzer der sozialen Dienstleistungen neue theoretische Konzepte für erfolgreiches praktisches Handeln zu entwickeln. Theorie und Praxis bedingen einander, denn die theoretischen Hypothesen erweisen sich nur dann als richtig, wenn sie irgendwann von der Praxis bestätigt werden. Andererseits kann die Anwendung von neuen theoretischen Kenntnissen die Praxis ohne weiteres bereichern. In dieser Hinsicht brauchen die russischen Wissenschaftler die Zusammenarbeit mit ihren deutschen Kollegen.

In der Fachhochschule Düsseldorf waren die russischen Besucher angenehm überrascht. Der Name ihrer Heimatstadt Pskow war hier im Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften schon bekannt. Es stellte sich heraus, dass der Vorsitzende des Vereins „Initiative Pskow in der evangelischen Kirche,“ Klaus Eberl, der Freund des Dekans dieses Fachbereichs, Prof. Dr. Hubert Minkenberg ist. Man sprach über den regulären Studentenaustausch im Rahmen des Praktikumssemesters und den Dozentenaustausch. Was die Studenten angeht, gibt es das Problem der fehlenden Sprachkenntnisse. Die deutschen Studenten können ihr Praktikum aber in den sozialen Innovationseinrichtungen der Stadt Pskow machen, denn fast alle Mitarbeiter dort sprechen deutsch. Und: Die russischen Studenten haben schon angefangen, intensiv Deutsch zu lernen. Die deutschen und russischen Professoren und Dozenten müssen dann mit Hilfe von Dolmetschern ihre Vorlesungen in Pskow bzw. Düsseldorf halten.

Der Beruf des Sozialarbeiters ist auch in Russland von großer Bedeutung. Er ist aber nicht besonders attraktiv. Die Pskower wollten unter anderem herausfinden, was denn diesen Beruf in Deutschland so populär und beliebt macht, was die Ursachen dafür sind, dass die Arbeit vieler sozialer Einrichtungen in Deutschland so erfolgreich ist. Die Studentinnen beobachteten sehr interessiert die Arbeit der sozialen Arbeiter und sozialen Pädagogen und fanden die erwünschten Antworten. Die Hauptursache des Erfolges der sozialen Arbeit steckt in den offenen, hellen Gesichtern der Menschen, die diese Arbeit leisten. Sie haben die Arbeit zum Wohle der Menschen zu ihrer Herzenssache gemacht. Deshalb stehen die Türen im integrierten Kindergarten für alle offen, deshalb tragen die Kindergruppen hier sehr lustige Namen: Regenbogen, Wolken, Sonnenlicht, deshalb arbeiten die gutherzigen Frauen mit strahlenden Gesichtern in der "Neusser Tafel" kostenlos, deshalb ist der Leiter des Cafes „Grenzenlos“ in Düsseldorf so engagiert und strahlt seinen Gästen und Besuchern herzlich entgegen...

Der Besuch der russischen Studierenden und Dozenten wurde mit Hilfe der beiden Fördervereine von Neuss (2. Vorsitzender: Harald Beschoten) und von Pskow (Vorsitzende: Dr. Natalie Kurchanova) organisiert. Diese beiden Vereine haben eine 20-jährige Geschichte freundschaftlicher Kontakte hinter sich. Sie arbeiten mit Unterstützung von Bürgermeister Herbert Napp und Stadtpräsidenten Iwan Zezerski eng zusammen.

In Pskow ist dieser Besuch ein Teil des Projektes „Die soziale Stadt“, das auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages zwischen der Pskower Staatlichen pädagogischen Universität (Rektor Prof. Dr. Alexander Gogolewski) und der AnKO „Das Bildungszentrum der sozialen Eingliederung“ (Leiterin Fr. Dr. Natalie Kurchanova) durchgeführt wird.

Professor Dr. Gogolewski legt großen Wert auf die akademische Kooperation mit deutschen Universitäten. Es würde sicher nicht nur der Steigerung des Ausbildungsniveaus der Studenten dienen, sondern auch der Förderung der Forschungsarbeit im Sozialbereich.

Im Verlauf dieses Projektes, das einen systematischen Charakter tragen muss, rechnen wir mit weiterer Unterstützung des Sozialdezernenten der Stadt Neuss, Herrn Stefan Hahn, und des Leiters der Staatlichen Hauptverwaltung der sozialen Entwicklung in der Region Pskow,

Herrn Armen Mnazakanjan

Am 8. Dezember flog die russische Delegation nach Pskow zurück. Vor dem Abflug bedankten sich die Pskower noch einmal herzlich bei Familie Beschoten (Harald, Christel, Maika und Katrin), die ihren Aufenthalt hier in Deutschland nicht nur glänzend vorbereitet, sondern auch ständig begleitet haben.