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Kybele Kultstätte
Tonfigur einer sitzenden Muttergöttin, gefunden in Neuss-Gnadental

Kybele Kultstätte

1956 wurde am heutigen Gepaplatz in Neuss bei Rettungsgrabungen ein spätantiker Steinkeller entdeckt.

Die Ausgräber vermuteten seinerzeit, dass es sich bei dem Gebäude um eine „Fossa sanguinis“, einen Bluttaufkeller für den Kybele-Kult handeln könnte. Bei der Stierbluttaufe (Taurobolium) stiegen die Priester der kleinasiatischen Muttergöttin Kybele in eine mit Brettern abgedeckte Grube, über der ein Stier geschlachtet wurde. Das Blut des Opfertieres tropfte auf den Täufling in der Grube und verhieß diesem Wiedergeburt und ewiges Leben.

Aus heutiger Sicht erscheint diese Deutung fraglich, zumal keines der bisher bekannten römischen Kybele-Heiligtümer einen derartigen Taufkeller besitzt.
Eine „sakrale“ Funktion dürfte der Keller dennoch gehabt haben. Wozu der Keller letztendlich aber diente, d.h., ob er eine christliche Anlage oder Teil eines heidnischen Tempels, etwa für die rheinische Muttergöttin Sunuxal, war, bleibt derzeit noch im Dunkeln.

Der Keller ist aus wiederverwendeten römischen Werksteinen gebaut, die wohl aus einem nahegelegenen Heiligtum stammen: So befindet sich im Mauerwerk ein Weihealtar mit der Aufschrift Iovis Optimus Maximus (bester und größter Jupiter) für den höchsten römischen Staatsgott.
Ungewöhnlich sind die beiden sich gegenüberliegenden Treppen und eine kleine gemauerte Bank in dem nur 1,80 m breiten Kellerraum. Derartiges ist aus römischen Kellern sonst nicht bekannt.

Der erhaltene Keller im Pavillon „Fossa Sanguinis“

Der erhaltene Keller im Pavillon „Fossa Sanguinis“

Das unregelmäßige Mauerwerk legt nahe, dass die Anlage erst nach 300 n.Chr. gebaut wurde, nachdem die Frankeneinfälle zu einem rapiden wirtschaftlichen und technischen Niedergang am Niederrhein geführt hatten. Aufgegeben wurde der Keller erst nach dem 341 n.Chr., wie Münzfunde belegen.

Auch 45 Jahre nach seiner Freilegung bleibt der Neusser „Kultkeller“ einzigartig: Bislang gibt es zu ihm keine direkten Parallelen.

Der Pavillon „Fossa Sanguinis“, in dem sich der Keller heute befindet, liegt am Gepaplatz in Neuss und gehört zur archäologischen Abteilung des Clemens-Sels-Museum. Er kann täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr besichtigt werden.
Sie erhalten jederzeit den Schlüssel – auch samstags und sonntags – gleich nebenan bei Familie Heischkamp, Gepaplatz 3.

Die Kellermauer während der Ausgrabungen

Die Kellermauer während der Ausgrabungen

Jedoch bitten wir Sie, sicherheitshalber Terminwünsche vorher anzumelden:
Tel./Fax: (0 21 31) 12 06 69
oder: (0 21 31) 10 12 03

Archäologische Fachführungen können Sie im Clemens-Sels-Museum vereinbaren unter der Telefonnummer:
(0 21 31) 90 41 41 oder per E-Mail: museum@stadt.neuss.de.

A. Zucchi, Die Stadtgöttin Cybele auf dem Löwenwagen (1720), Eigentum des Clemens-Sels-Museums

A. Zucchi, Die Stadtgöttin Cybele auf dem Löwenwagen (1720), Eigentum des Clemens-Sels-Museums

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