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Eröffnung des Epanchoirs
(v.l.) Christoph Napp-Saarbourg, Bürgermeister Reiner Breuer, der Französische Generalkonsul Vincent Muller, Elisabeth Heyers und Klaus Karl Kaster.

Eröffnung des Epanchoirs

Bürgermeister Reiner Breuer hat das napoleonische Wasserkreuzungswerk der Öffentlichkeit übergeben.
(v.l.) Christoph Napp-Saarbourg, Bürgermeister Reiner Breuer, der Französische Generalkonsul Vincent Muller, Elisabeth Heyers und Klaus Karl Kaster.

Mit der Rekonstruktion der  napoleonischen Wasserkreuzung ist ein imposantes Bauwerk entstanden, dessen Wiederherstellung die Stadt Neuss jetzt gefeiert hat. Das Epanchoir an der  Nordkanalallee übergab Bürgermeister Reiner Breuer zusammen mit Christoph Napp-Saarbourg, Vorsitzender der Freunde und Förderer des historischen Nordkanals in Neuss, in Anwesenheit des französischen Generalkonsuls Vincent Muller der Öffentlichkeit. Feierlich enthüllt wurde auch der Info-Point, der anschaulich die Funktion des technischen Bauwerks erläutert und die Geschichte dieses außergewöhnlichen napoleonischen Bauvorhabens im Rheinland erzählt.

Mit vereinten Kräften trugen Stadt, Stadtwerke Neuss und alle Beteiligten dazu bei, dass Neuss um eine Attraktion reicher ist. Es war Otto Saarbourg im Jahr 2005, der an das historische Erbe an der Nordkanalallee erinnerte. Das Wasserkreuzungsbauwerk weitestmöglich zu rekonstruieren, regten die  Neusser Heimatfreunde um Christoph Napp-Saarbourg und Klaus Karl Kaster an. Der Stadtrat folgte der Idee und stellte die notwendigen finanziellen Mittel sicher. Der Förderverein bemühte sich im Gegenzug um Spender und Sponsoren, um die finanzielle Belastung durch die Gesamtbausumme in Höhe von 1,3 Millionen Euro zu verringern. Zahlreiche Spender und Sponsoren, unter anderem die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die NRW-Stiftung, die Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, der Landschaftsverband Rheinland und der Rhein Kreis Neuss beteiligten sich an dem Projekt.

Das Epanchoir war vor der Rekonstruktion in weiten Teilen überbaut. Pünktlich zum 200jährigen Jubiläum der Einweihung des Epanchoirs im Jahr 2009 gewannen die Planungen zur Sanierung und Sichtbarmachung des Bauwerks an Fahrt. Nach umfangreichen planerischen Arbeiten konnte im Herbst 2015 mit den ersten baulichen Maßnahmen begonnen werden. In Abstimmung mit den Denkmalbehörden wurde ein Restaurierungskonzept entwickelt, bei dem die Rekonstruktion der Böschungskegel durch mehr als 150 eigens zugeschnittene Basaltsteine vielleicht der spektakulärste Teil der Maßnahme war.  Insgesamt wurden rund 2.200 Kubikmeter Bodenaushub für das Becken des Epanchoir ausgehoben. Zur Begrenzung des Nordkanalprofils wurden circa 60 Tonnen Spundwandprofil eingebaut. Für die Instandsetzung und Ergänzung der Böschungskegel wurden rund 22 Kubikmeter Naturstein angefertigt und versetzt. Zudem wurden rund sieben Kubikmeter Ziegelmauerwerk ausgewechselt und rund 1.100 Quadratmeter Lehmabdichtung aufgebracht. Zusätzlich wurde der Bohlenbelag des Steges für das Wehr erneuert. Im Juli 2016 konnten die Restaurierungsarbeiten abgeschlossen werden.

1804 erteilte Napoleon den Befehl, eine künstliche Wasserstraße zwischen dem Rhein beim damals französischen Neuss über die Maas bis zum Hafen an der Schelde bei Antwerpen zu bauen. 160 Kilometer lang sollte das Bauwerk werden und eine Breite von 22 Metern aufweisen. An beiden Ufern verliefen Treidelpfade und mehrere Schleusen sollten dafür sorgen, dass der Höhenunterschied zwischen Rhein und Maas überwunden wurde. Der ambitionierte Bau wurde mit größter Intensität vorangetrieben, bis sich ein paar Jahre später ganz plötzlich die politischen Rahmenbedingungen änderten. Das Königreich Holland war an Frankreich gefallen und das Projekt Nordkanal wurde obsolet. Konsequent stellten die Franzosen den Weiterbau der Wasserstraße ein. Zwar wurde der Kanal rund 20 Jahre später mit einem deutlich verkleinerten Querschnitt für ein knappes Vierteljahrhundert als Wasserstraße vor allem zum Kohlentransport genutzt, doch fiel das Bauwerk danach in einen tiefen Dornröschenschlaf.

Das Epanchoir ist ein Paradebeispiel französischer Ingenieurbaukunst des 19. Jahrhunderts. Heute zeigt sich das Bauwerk in seiner historischen Breite von 22 mal 45 Metern und gilt als größtes technisches Bodendenkmal am Niederrhein.

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