übergeordnete Seite Sie sind hier: Startseite Erklär‘ mir, Liebe!
Erklär‘ mir, Liebe!
Giovanni Antonio Pellegrini (1675 – 1741) Angelica und Medor – Irdische Liebe, Motiv aus Ariost’s Versepos „Der rasende Roland“ (Orlando furioso), um 1715 Öl auf Leinwand, 47,4 x 58,3 cm, erworben 1908, Clemens Sels Museum Neuss.

Erklär‘ mir, Liebe!

Die neue Ausstellung über das schönste Gefühl der Welt im Clemens Sels Museum Neuss läuft noch 14. Oktober 2018.
Giovanni Antonio Pellegrini (1675 – 1741) Angelica und Medor – Irdische Liebe, Motiv aus Ariost’s Versepos „Der rasende Roland“ (Orlando furioso), um 1715 Öl auf Leinwand, 47,4 x 58,3 cm, erworben 1908, Clemens Sels Museum Neuss.

Liebe ist wohl das stärkste und innigste Gefühl, das wir spüren können und das unser Handeln maßgeblich lenkt und steuert. In der Kunst fanden und finden Gefühle innerer Verbundenheit und Zuneigung schon immer Ausdruck. Davon zeugen nicht nur die vielen unterschiedlichen Darstellungen sich Liebender, die in der Ausstellung „Erklär mir, Liebe!“ im Clemens Sels Museum Neuss präsentiert werden.

Die gleichermaßen einzigartigen wie vielfältigen Objekte sind ausnahmslos Teil der reichen Sammlung des Clemens Sels Museums Neuss. Was in den Werken der Künstler sichtbar und erlebbar wird, geht oftmals auf eigene, persönliche Erfahrungen zurück. Der Betrachtende nimmt schnell wahr, welches Gefühl sich mit dem künstlerisch Geschaffenen verbinden lässt: frische Liebe, innige Vertrautheit, melancholische Zweisamkeit, heiteres Miteinander bis hin zu frivoler Annäherung.

Doch nicht nur die bildenden Künstler verleihen ihren tiefen Gefühlen, vielleicht auch ihrem Schmerz um eine gescheiterte Liebe, in ihren Arbeiten Ausdruck. In den darstellenden Künsten werden etwa ganze Liebesgeschichten erzählt. Doch gibt es neben diesen vergänglichen Formen noch eine weitere künstlerische Ausdrucksform: die Lyrik. In der Ausstellung werden den Werken – Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Grafiken – Gedichte gegenübergestellt, die im direkten Nebeneinander einen kommentierenden oder einen weiterführenden, immer aber einen künstlerisch eigenständigen Charakter haben. Poesie birgt die Möglichkeit, von Gefühlen und Augenblicken zu sprechen, die eigentlich unaussprechlich sind und die der Dichter mit feinem Gespür aus der Ebene des Unaussprechlichen in die rationale Welt übersetzt. Vielleicht gilt das, was Liebesgedichte vermögen, auch für die Bilder und Skulpturen, die in dieser Ausstellung zu sehen sind.
Neben den poetischen Beiträgen finden sich vereinzelt aber auch kurze Zitate und Aussprüche, die den Kern der im Kunstwerk sichtbaren Liebesthematik aufgreifen. Im Gehalt leichter, regen sie dennoch zum Nachdenken über jegliche Form der Liebe an.

Bis heute gibt es eine lebendige, wechselseitige Beziehung zwischen den beiden künstlerischen Ausdrucksformen: Dichter machen sich einen Reim auf Werke der bildenden Kunst, Künstler beziehen sich mal frei, mal illustrierend explizit auf die literarische Vorlage.
Die Ausstellung zeigt entlang zahlreicher Exponate, wie variantenreich Liebe zum Ausdruck kommt. Neben den Darstellungen von Liebespaaren öffnet sich das Thema in diverse Richtungen. Die körperliche Liebe, das Begehren, wird insbesondere in den mythologischen Erzählungen der Antike thematisiert. Bis heute illustrieren Künstler die anspielungsreichen Texte mit ihren Bildern und greifen gern auf die jahrhundertealten Stoffe zurück. In religiösen Erzählungen spielen Liebesbeziehungen eine zentrale Rolle. Die Liebe zu Gott und die Liebe Gottes werden immer wieder auf den Prüfstand gestellt.

Auch profane Darstellungen zeugen von der grenzenlosen und bedingungslosen Liebe zwischen Eltern und Kindern. Darüber hinaus dokumentieren Künstler die Rituale um Liebesbeziehungen: auf einem Gemälde einer Hochzeitsgesellschaft oder mit einer amüsanten Skulptur eines Brautpaars.
Die bildende Kunst entdeckte aber noch zahlreiche andere bewegende Momente für sich: Emotional berührend sind Bilder, die von gescheiterten, tragischen Liebesbeziehungen berichten. So kennt jeder den unglücklichen Ausgang der Geschichte um Romeo und Julia. Der Tod nimmt unwiederbringlich, was wichtiger als alles andere im Leben ist.
Das Thema Liebe kennt keine Grenzen und ist mit keiner Ausstellung und keiner Publikation erschöpfend abgearbeitet. Henry Miller definierte das große Gefühl Liebe als einen Boogie-Woogie der Hormone. Egal, ob frisch verliebt, sich mitfühlend hingebend oder familiäre Verbundenheit empfindend – die Liebe ist das, was allem einen Sinn verleiht.

Seite weiterempfehlen