Die Vergangenheit

Vom Steinbeil-Schwinger zum Security-Spezialisten

Schon in der jüngeren Steinzeit vor etwa 6000 Jahren waren im Gebiet des heutigen Norf Jäger und Sammler unterwegs. Funde von Steinbeilen und Speerspitzen zeugen von ihren Aktivitäten. Auch die Eisenzeit hat ihre Spuren hinterlassen. Archäologen bargen Urnen und andere Gefäße aus Gräbern dieser Zeit. Norfs Frühgeschichte beginnt mit den Römern, die von 16. v. Chr. an fast 500 Jahre an Rhein und Erft lagerten. Die im Umkreis liegenden Gutshöfe versorgten die in „Novaesium“ stationierte 6. und 16. Legion; in der „Etappe Norf“ erholten sich wahrscheinlich verdiente Soldaten. Funde aus dieser Zeit füllen die Museen und zieren manch heimischen Kaminsims. Dagegen sind die Hinter­lassenschaften aus der dann folgenden fränkischen Zeit recht spärlich. Erstmals urkundlich erwähnt wird anno 1223 ein „norpe“; ur­sprünglich der Name eines Bachlaufes, nach dem die daran liegende Siedlung benannt wurde. Etwa ab 1300 gehörte das Kirchspiel Norf zum kurkölnischen Amt Hülchrath. Die Althöfe Vellbrüggen, Müggenburg, Sandhof, Derikumer Hof und Norfer Hof, alle in der Nähe des Norfbaches und im kirchlichen Besitz, bestimmten das Gesicht der Ansiedlung. Im Bannkreis von Neuss gelegen, hatte Norf mehrfach unter kriegerischen Attacken späterer Zeiten zu leiden: 1475, als Karl der Kühne mit seinem Heer Monate lang gegen die Mauern von Neuss anrannte, hielten sich die Truppen im Hinterland schadlos. 1586 legten spanische Söldner des Ernst von Bayern Norf in Schutt und Asche. Ab 1794 besetzten die Franzosen mit ihrer Sambre- und Maasarmee die Gegend. Norf wurde um 1800 zu­sammen mit Rosellen „Mairé de Norff“. Im Gemeindegebiet Norf, Derikum, Elvekum, Stüttgen und Bettikum waren zu dieser Zeit 319 Einwohner registriert.

Die Völkerschlacht bei Leipzig (1813) signalisierte das Ende der französischen Fremdherrschaft. Der Königlich-Preußische Ge­heime Staatsrat von Gruner wurde Generalgouverneur des Nie­derrheins, der 1815 zu Preußen kam. 1816 gehörte Norf zum „Landkreis Neuss“. Es bildete zusammen mit Rosellen eine sogenannte „Sammtgemeinde“ - das ist ein Zusammenschluss mehrerer Gemeinden zu einer Bürgermeisterei.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts überwog im „Landkreis Neuss“ die Landwirtschaft. Dadurch war die Gemeinde Norf finanziell nicht zum Besten gestellt. Für 1861 beispielsweise verzeichnen die Akten kein Einkommen aus Gewerbesteuern. Das Vermögen bestand aus Immobilien und Kapitalien. Einkünf­te erhielt die Gemeinde nur durch Grundsteuern. Eine alte Chro­nik charakterisiert diese Zeit folgendermaßen: Norf hat keinen nennenswerten Mittelstand, nur Arme und Reiche. Von den wohl Reicheren ist bis heute ein Name besonders hatten geblieben, dessen Träger durch die Heirat mit Anna Maria Dautzenberg von der Müggenburg Norfer Bürger wurde: Gabriel Grupello (1644-1730), Hofbildhauer und Schöpfer des Jan-Wellem-Denk­maIs in Düsseldorf und des Grupello-Kreuzes, das sich im Besitz der St.-Andreas-Pfarre befindet. Norf im Jahre 1900 war eine kleine, knapp 1000 Einwohner zählende Gemeinde mit überwiegend landwirtschaftlicher Struk­tur.

In Nachbarschaft zu den Gutshöfen hatten sich einige Hand­werker angesiedelt: Schmiede, Holzschuhmacher, Schneider und Kleinhändler. Dazu ein paar Gaststätten, der Bürgermeister mit kleinem Stab (darunter der Polizeisergeant). Der Rest waren Tagelöhner und Arbeiter. Zur zunächst verhaltenen Entwicklung trug die 1855 eröffnete Eisenbahnlinie Köln-Krefeld mit dem 1856 errichteten Haltepunkt Norf bei.

Der Bau einer Strom-Überland­leitung von Neuss in die umliegenden Gemeinden setzte diesen Aufschwung fort:
Landwirte schlossen sich zusammen und grün­deten eine Sauerkrautfabrik; eine Lumpensortieranstalt siedelte sich im Bahnhofsbereich an, eine Samenhandlung, eine Teer­pappenfabrik sowie eine Kiesbaggerei boten neue Arbeitsplät­ze. In einer Übersicht über die bis zum 1. März 1911 angeschlos­senen elektrischen Anlagen erschien Norf mit 41 Konsumenten, 646 Lampen sowie 16 Motorstationen mit insgesamt 57 Pferde­stärken. Im Jahre 1912 wurde für Norf (mit Derikum) ein genauer Fluchtlinienplan aufgestellt und eine ordnungsgemäße Straßen­benennung beschlossen. 1913 zählte die Gemeinde 1259 Ein­wohner; ein neues Rathaus wurde bezogen. Im Zeichen der aufkommenden Kriegsjahre blieb jedoch der weitere Aufschwung aus. Der Erste Weltkrieg brachte sogar erhebliche wirtschaftliche Rückschläge und bis l936 neue Fremdeinquartierung. Wachsende Einwohnerzahlen in Neuss und Umgebung führten zu kommunalen Veränderungen: Norf wurde in den 1929 neugebildeten Großkreis Neuss-Grevenbroich auf­genommen, das Gebiet an der Erft mit dem Derikumer Hof ging an Neuss. Das nationalsozialistische Gemeindegesetz von 1935 bedeutete eine starke Aushöhlung der kommunalen Selbstver­waltung. Von einer selbstverantwortlichen Gestaltung der ge­meindlichen Dinge durch die Bürgerschaft konnte kaum noch die Rede sein.

Dem 1933 begonnenen wirtschaftlichen Aufschwung folgten bittere Kriegsjahre, vor denen auch Norf nicht verschont blieb. Ab September 1939 wurden die Einwohner mit Lebensmittelkar­ten und Kleidergutscheinen versorgt. Ein Jahr später, 1940, detonierten zwischen Norf und Stüttgen die ersten Bomben. Die Luftangriffe steigerten sich bis Kriegsende: Pausenloser Flieger­alarm zwang die Bewohner immer wieder am helllichten Tag und tief in der Nacht in Keller und Bunker.

Als am 4. März 1945 Truppen der USA einmarschierten, kündigte sich nicht nur für Norf ein neues Zeitalter an. Wie überall im Lande begann auch hier der Wiederaufbau. Immer mehr Gewerbe- und Industrieunternehmen siedelten sich dank einer engagierten Gemeindepolitik an – heute sind Großbetriebe mit mehr als 100 Mitarbeitern wie Esser Security Systems darunter. Das Gewerbesteueraufkommen stieg.

Norf entwickelte sich zu einer verhältnismäßig wohlhabenden Ge­meinde. Es wurde aber auch Heimat für viele neue Bürger aus Mittel- und Ostdeutschland, die Einwohnerzahlen schnellten rapide in die Höhe. Wohnhäuser verschiedener Stilrichtungen entstanden, in Norf-Derikum und Norf-Süd entwickelten sich mo­derne Ortsteile. Parallel dazu wurden öffentliche Einrichtungen wie Straßen, Kanalisierung und Beleuchtung erweitert sowie Schulen, Sportanlagen und ein Schwimmbad eingeweiht.

Waren 1955 noch 2735 Einwohner registriert, lag ihre Zahl 1965 bereits bei 5500. Per 30. Juni 1989 war die am 1. Januar 1975 im Rahmen der kommunalen Neugliederung zu Neuss gekommene ehemalige Gemeinde Norf bei 10 494 Einwohnern angelangt. Politisch hatte das Amt Norf, das aus den Gemeinden Norf und Rosellen bestand, mit Beginn der 60er Jahre ein Wechselbad von Eingemeindungs- und Neugliederungswünschen zu bestehen. Im Gespräch waren neue Großgemeinden verschiedener Zusammensetzung.

Norf wurde dabei nicht müde, sich der Lan­desplanung als attraktives Zentrum zu empfehlen. 1971 /72 wurde sogar ein detailliertes eigenes Konzept auf den Tisch gelegt. Zu diesem Zeitpunkt gingen die Meinungen von Gemeinden, Städ­ten, Kreisen und Landesregierung weit auseinander. Sogar die Eingemeindung der Stadt Neuss nach Düsseldorf war im Ge­spräch. Am 10. Juli 1974 fiel im Düsseldorfer Landtag die Entscheidung. Laut „Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise“ wurde Norf der Stadt Neuss zugeschlagen. Die Konsequenz war unausweichlich: am 31.Dezember1974 löste sich das Amt Norf auf, der Stadtteil Neuss-Norf wurde geboren.