"Die Forschungen zur Besatzungszeit stehen noch am relativ am Anfang", erklärt Dr. Jens Metzdorf (Leiter des Neusser Stadtarchivs).
"Die Forschungen zur Besatzungszeit stehen noch am relativ am Anfang", erklärt Dr. Jens Metzdorf (Leiter des Neusser Stadtarchivs).

Stadtarchiv zeigt Ausstellung über die belgische Besatzungszeit 1918 bis 1926 in Neuss

Mit der Ausstellung beginnt für die Stadt die Aufarbeitung der Vergangenheit.

"Die Forschungen zur Besatzungszeit stehen noch am relativ am Anfang", erklärt Dr. Jens Metzdorf (Leiter des Neusser Stadtarchivs).

Im Stadtarchiv Neuss hat eine Ausstellung eröffnet über die belgische Besatzungszeit nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Unter dem Titel „An die Bevölkerung – die belgische Besatzung in Neuss 1918-1926“ zeigt das Stadtarchiv erstmals Dokumente dieser Epoche der Neusser Stadtgeschichte. Bis zum 31. März 2019 können Interessierte einen Eindruck vom Alltag der Neusserinnen und Neusser am Ende des Krieges und Beginn der Besatzung bekommen. Sie zeigt die Veränderungen für das alltägliche Leben der Neusser Bevölkerung und untersucht die Konfliktlinien zwischen Einwohnern und Besatzern. Die belgischen Reglementierungsbehörden übernahmen 1918 in Neuss die Macht.  Bekanntmachungen der Belgier in Neuss..JPG

Belgische Militärführung forderte Respekt

 Die Schau beleuchtet das Verhältnis zwischen Besetzten und Besatzern. Es gab eine Vielzahl strenger Regeln, denn die Belgier als Besatzer sorgten sich vor Übergriffen durch die Neusser Bevölkerung und fürchteten eine Entwaffnung. Deswegen hielten sie auch dauerhaft fünf Geiseln im Rathaus fest, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Diese wurden aus fünf gesellschaftlichen Gruppen ausgewählt und täglich ausgetauscht. Die Neusserinnen und Neusser brachten den Besatzern dementsprechend ein großes Misstrauen entgegen. Die Belgier forderten Respekt ein - durch symbolhaftes Handeln und durch allerlei Bestrafungen bei kleinsten Regelverstößen. Nach 22 Uhr galt etwa eine Ausgangssperre in Neuss. Bei Rechtsverstößen wurden öffentlich Name, Adresse, Straftat und Strafmaß ausgehängt. Es war eine Situation der extremen Anspannung und der Angst. Auch war Neuss 1918/1919 Verkehrsknotenpunkt von Westen nach Osten. Täglich kamen hier mehrere Tausend Soldaten durch, sie waren auf dem Weg nach Hause und am Bahnhof herrschte Chaos, es gab Plünderungen und oft Ärger. 

Bisher wenig erforschte Besatzungszeit 

Die Ausstellung zeigt weitgehend Dokumente aus dem Stadtarchiv Neuss. Im Fokus stehen viele Plakate, mit denen der Neusser Bevölkerung die zahlreichen Befehle und Verordnungen der belgischen Besatzer bekannt gemacht wurden.

Es ist eine Kooperationsausstellung mit dem Stadtarchiv Leuven, das zuvor eine Ausstellung mit Plakaten der deutschen Besatzungszeit in Leuven während des Ersten Weltkrieges zeigte. Leuven war kurz nach Kriegsbeginn 1914 durch deutsche Truppen schwer zerstört und zahlreiche Zivilisten getötet worden. Einige Plakate aus der deutschen Besatzungszeit in Leuven sind jetzt auch hier in Neuss zu sehen.Natalia Korotkaya, Stadtarchiv Neuss, entwickelte die Audio-Geschichten..JPG

Plakate, Texte, Fotos und Audios

 Das Stadtarchiv zeigt in der Ausstellung auch die Ergebnisse des „Projektkurses Geschichte“ am Marie-Curie-Gymnasium Neuss. Zum Thema „Besatzung in Krieg und Frieden“ haben Schülerinnen und Schüler zusammen mit Dr. Jens Metzdorf, Leiter des Stadtarchivs, fiktive Menschen erschaffen, die in abspielbaren Audios zu Wort kommen. Sie erzählen von den Sorgen und Nöten in ihrem Alltag, vergleichbar mit Tagebucheintragungen. Auf vier Tablets können Interessierte den Erzählungen lauschen und dadurch tiefer in die damalige Zeit eintauchen. Natalia Korotkaya, Mitarbeiterin im Neusser Stadtarchiv, hat die Geschichten zusammengetragen und technisch aufbereitet. Die Präsentation gliedert sich in drei Bereiche: Alltagsleben, das Miteinander von Besatzern und Besetzten sowie die Rechtssprechung.

 Die Ausstellung „An die Bevölkerung“ im Stadtarchiv Neuss, Oberstraße 15, geht noch bis zum 31. März 2019. Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Führungen können nach Absprache vereinbart werden unter der Telefonnummer 02131-90 4250.

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