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Wunsch und Wirklichkeit
Fotografie von Gabrielle Vallotton um 1911.

Wunsch und Wirklichkeit

Die neue Herbstausstellung im Clemens Sels Museum zeigt im Vergleich künstlerische und technische Portraits zwischen Wunsch und Wirklichkeit.
Fotografie von Gabrielle Vallotton um 1911.

Das eigene Bedürfnis nach makelloser Selbstdarstellung durch Fotos ist nicht erst seit Aufkommen  von Selfies in digitalen Medien wie Instagram und Co ein Phänomen, sondern hat historischen Ursprung. Die neue Ausstellung „Wunsch & Wirklichkeit“ des Clemens Sels Museum Neuss ab Sonntag, 15. Oktober 2017, 11 Uhr, widmet sich daher der Frage nach dem Einfluss der Fotografie auf die Entwicklung des künstlerischen Portraits des 19. und 20. Jahrhunderts. Kuratorin Romina Friedemann wählte dafür rund 100 Portraits berühmter Persönlichkeiten, Musen und Modelle oder auch Selbstportraits aus dem vielfältigen Sammlungsbestand des Clemens Sels Museums aus. Den Gemälden, Lithografien und Holzschnitten stehen historische Fotografien derselben Person gegenüber. Dabei zeigen sich nicht nur Gemeinsamkeiten, sondern vor allem auch eklatante Unterschiede der Medien: Da die Fotografie im Ende des 19. Jahrhunderts vermehrt die Abbildfunktion von Personen übernommen hatte, welche zuvor nur durch die Anfertigung eines künstlerischen Portraits möglich war, eröffneten sich den Künstlern neue Herausforderungen und Möglichkeiten. Auftragsarbeiten zur Erstellung individueller Portraits unter Berücksichtigung formaler und ästhetischer Kriterien wurden seltener, sodass sich die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Modell freier entfalten konnte und musste. Auch der akademische Naturalismus hatte den Rückzug angetreten und allmählich einer neuen, individuellen Darstellungsweise des Menschen Platz gemacht. Damit entwickelte sich eine abstrakte, expressive Malweise, der es weniger um die Wiedererkennbarkeit der Porträtierten als vielmehr um die freie und subjektive Interpretation des Modells ging. Der Anspruch der Malerei war dabei nicht unbedingt die formale Veränderung oder Verschönerung einer Person, sondern das Abbild der Persönlichkeit mittels neuer künstlerischer Ausdrucksformen. In fünf verschiedenen Kategorien „#vip“, „#selfie“, „#transformation“, „#inspiration“, „#artists“ sind unter anderem Persönlichkeiten wie Fernand Khnopff,  Max Clarenbach, Édouard Manet, Max Liebermann, Peter Behrens und Käthe Kollwitz zu sehen. Das Nebeneinander von künstlerischen und technischen Portraits offenbart Abstraktionen, Verfremdungen, Transformationen und Interpretationen und lässt den Vergleich zu, um sich den unterschiedlichen Darstellungsmöglichkeiten bewusst werden.

Portrait von Gabrielle Vallotton aus der Sicht ihres Ehemannes Félix Vallotton.Die Ausstellung lädt zum Mitmachen ein: So können Besucherinnen und Besucher in einer Selfie-Ecke ihr Selfie nach dem Portrait von Gabrielle Vallotton aus den Augen ihres Ehemannes Félix Vallotton nachstellen. Auf Instagram gepostet und mit dem Hashtag „clemensselsmuseumneuss“ versehen, werden sie Teil der Ausstellung und im Museum auf eine Wand im Eingang projiziert. In Kinderworkshops können auch die Kleinsten ihre kreativen Einfälle umsetzen. Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 18. Februar 2018, und kann dienstags bis samstags, 11 bis 17 Uhr, sonntags und an Feiertagen, 11 bis 18 Uhr, besichtigt werden. Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Weitere Informationen sind unter www.clemens-sels-museum.de erhältlich.

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