„Wendersplatz“ in Neuss – „Der Heimat einen Hafen geben“

Zusammenfassung der Ideen und Anregungen aus der Online-Beteiligung (03.02.–03.03.2021)

Einleitung

Der Wendersplatz liegt im Herzen von Neuss direkt am Rennbahnpark und wird aktuell noch als Parkplatz genutzt. Der Platz bietet jedoch ein hohes Potenziale für alternative hochwertige Nutzungen mit einem Mehrwert für die angrenzenden Quartiere und soll daher umgestaltet werden. Aus diesem Grund wurde eine Bürger*innenbeteiligung durchgeführt, in der die Möglichkeit gegeben wurde, Meinungen und Ideen zu äußern oder auf andere zu reagieren. Aufgrund der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie war es nicht möglich, die Beteiligung als Präsenzveranstaltung durchzuführen, sodass stattdessen eine Onlinebeteiligung angeboten wurde.

Im Folgenden werden die Ergebnisse dieser Beteiligung, die im Zeitraum vom 3. Februar bis zum 3. März 2021 stattfand, zusammenfassend dargestellt.
Diese wurden dabei lediglich wie von den Teilnehmenden angeregt abgebildet, ohne jegliche Einordnung oder Einschätzung aus Expert*innen Sicht.
Die Ergebnisse gliedern sich entsprechend der Logik der Onlinebeteiligung in die vier Bereiche „Bauen und Gestaltung“, „Mobilität und Verbindungen“, „Nutzung und Begegnung“ und „Öffentlicher Raum und Grün“.

Die Neusser*innen haben rege an der Onlinebeteiligung mitgewirkt. Es sind insgesamt von 778 Besucher*innen der Internetseite 96 Ideen und 34 Kommentare abgegeben worden. Bezogen auf diese Kommentare wurden 5.882 Reaktionen in Form von Zustimmung oder Ablehnung zu einzelnen Anregungen vergeben.

Bauen und Gestaltung

Ein Thema der Onlinebeteiligung betraf die Art der Bebauung und Gestaltung des Wendersplatzes. Auf die Frage ob der Wendersplatz überhaupt bebaut werden sollte, gab es befürwortende und ablehnende Reaktion zwischen den Teilnehmenden. Ein gewisser Teil lehnt eine weitere Bebauung grundsätzlich ab, der überwiegende Teil der Teilnehmenden befürwortet jedoch die Weiterentwicklung des Wendersplatzes. Dabei spielen Gestaltungsoptionen eine wichtige Rolle, die die Freiraum- und Aufenthaltsqualität des Ortes verbessern. Um die Attraktivität des Hafens und seiner Umgebung zu steigern solle daher beispielsweise der Erftkanal freigelegt und mit einer Promenade erweitert bzw. mit einer Freitreppe versehen werden.

Generell ist es im Sinne der Teilnehmenden, eine attraktive und architektonisch wertvolle Bebauung auf dem Wendersplatz zu errichten und so ein Pendant zur Innenstadt zu schaffen sowie der teils unattraktiven Bebauung in Neuss entgegenzuwirken.

Bei der zukünftigen Bebauung spielt die Berücksichtigung der Klimaanpassung für die Teilnehmenden ebenfalls eine wichtige Rolle. Maßnahmen, die genannt wurden sind beispielsweise die klimatisch begünstigende Ausrichtung der Gebäude und deren Abstände zueinander, die Begrünung von Dächern und Fassaden, der Einsatz von Solarenergie, der Einsatz klimaneutraler Rohstoffe und die Vermeidung von großen Glasflächen.

Mobilität und Verbindungen

Der Wendersplatz wird aktuell als Parkplatz genutzt und befindet sich mitten in einem großen Verkehrsknotenpunkt zwischen der Batteriestraße/Hessentordamm und der Hammer Landstraße.

Die Themen Mobilität und Verbindungen haben dadurch eine hohe Relevanz für die Teilnehmenden.

Die aktuelle Nutzung als Parkplatz wird von den meisten Teilnehmenden nicht weiter befürwortet. Der Platz biete dafür zu viel Potenzial für andere Nutzungen. Im Gegensatz dazu argumentierten die Befürworter*innen des Parkplatzes, dass dadurch die Kaufkraft der Neusser Einkaufsstadt gefördert werde.

Um die problematische Verkehrssituation zu bewältigen spricht sich die Mehrheit der Teilnehmenden für eine Tunnellösung aus, bei der die Batteriestraße unterirdisch unter dem Wendersplatz verlaufen könnte. Hierdurch würde genügend oberirdischer Platz für eine Umverteilung der Verkehrswege entstehen. Die Idee statt eines Tunnels eine Brücke zu errichten wurde dagegen eher abgelehnt.

Eine von der überwiegenden Mehrheit begrüßte Lösung, um die Querungsbeziehungen zwischen Wendersplatz und Innenstadt zu stärken, stellt ein „Shared Space“ dar, der gleichberechtigt durch alle Verkehrsteilnehmer*innen genutzt werden kann. Mithilfe einer deutlichen Reduzierung der Geschwindigkeit sowie des Verkehrsaufkommens wäre ein barrierearmes Queren des Hessentordamms möglich.

Um das Verkehrsaufkommen im Kreuzungsbereich zu reduzieren wurde vorgeschlagen, den Hessentordamm, z.B. zu einer Stadtallee, rückzubauen. Um die Erreichbarkeit dabei weiterhin zu sichern, bedürfte es zusätzlich eines Ausbaus des ÖPNV. Hierfür könnten die jetzigen Hafengleise als Straßenbahngleise umfunktioniert werden. Die Mehrheit der Teilnehmenden sprach sich ohnehin für einen Rückbau dieser Gleisanlagen aus. Es müssten aber Alternativen aufgezeigt werden, um die Anbindung an den Hafen weiterhin zu gewährleisten.

Im Rahmen des Mobilitätsentwicklungskonzeptes Neuss könnte der Wendersplatz zudem als Pilotprojekt für einen veränderten „Modal Shift“ fungieren. Dabei soll der Fuß- und Radverkehr sowie der ÖPNV gestärkt und gleichzeitig die MIV-Nutzung verringert werden. Um dieses Konzept umsetzen zu können, bedürfte es jedoch einiger Maßnahmen. Beispielsweise müssten neue Fahrradstellplätze geschaffen werden, z.B. in Form einer Fahrradgarage. Zudem gilt es, die Sicherheit und den Komfort des Radverkehrs zu erhöhen, worin neben der Neuordnung von gefährlichen Kreuzungssituationen auch der Ausbau des Radschnellwegs gehört. Der Wendersplatz könnte dabei zukünftig der neue Startpunkt des überregionalen Radwegs sein.

Ein bedeutender Belang, den die Teilnehmenden geäußert haben war, dass der Wendersplatz verstärkt an die umliegenden Orte zu Fuß, mit dem Rad und an den ÖPNV angebunden werden soll. Als wichtige Orte wurden hierbei beispielsweise der Rennbahnpark, der Hafen, die zentralen öffentlichen Gebäude der Umgebung, der Rhein, der Markt und die Innenstadt genannt.

Nutzung und Begegnung

Neben der Definition von Rahmenbedingungen für die Bebauung des Wendersplatzes ist es ebenso wichtig, geeignete Nutzungskonzepte zu entwickeln, die die innerstädtischen Nutzungen ergänzen, jedoch keine Konkurrenz dazu darstellen. Dafür haben die Teilnehmenden der Onlinebeteiligung vielfältige Vorschläge gemacht, welche Nutzungen sich eignen würden.

Grundsätzlich stellen sich die meisten Teilnehmenden einen Ort vor, der eine Vielfalt an unterschiedlichen Nutzungen aufweist, die miteinander in Verbindung stehen und einen insgesamt attraktiven Ort erschaffen, der von einem breiten Publikum rund um die Uhr genutzt werden kann.

Insbesondere die Bereiche Kunst, Kultur und Gastronomie nehmen dabei eine besondere Stellung ein. Durch die Ansiedlung von Restaurants, Cafés und Orten für Veranstaltungen soll die Attraktivität des Wendersplatzes gesteigert werden. Aufgrund der Historie ist zudem die große Bedeutung des Schützenfestes für die Neusser*innen zu beachten.

Da Neuss die Heimat von vielen unterschiedlichen Kulturen und Nationalitäten ist, wünschen sich die Teilnehmenden Orte der Zusammenkunft, um die Weltoffenheit zu fördern und Fremdenfeindlichkeit entgegenzutreten. Der bestehende Raum der Kulturen reiche nach Meinung der Teilnehmenden hierfür nicht aus. Auch für Jugendliche und Kunstschaffende sollten Orte und Treffpunkte geschaffen werden.

Die gewünschte Nutzungsmischung soll sich aus unterschiedlichen Teilnutzungen zusammensetzen. Insgesamt wurden Nutzungen aus den Bereichen Gastronomie, Kultur, Shopping, Verwaltung, Park, Markthalle, Start-Ups, Urban Gardening, Tiny Houses, Ausstellungsflächen, ein Haus für Zukunftstechnik, ein Platz für Bürgerinitiativen oder ein Zentrum für Nachhaltigkeit mit unterschiedlichen innovativen Konzepten vorgeschlagen. Viel diskutiert wurden zwei konkrete Nutzungen: Die Ansiedlung der Museumsnutzung des Clemens-Sels-Museums wurde überwiegend befürwortet, da somit mehr Raum für Kunst und Kultur geschaffen werden kann. Demgegenüber wurden Nutzungen in Bürogebäuden, ein Bildungszentrum und gewerbliche Nutzer*innen, wie z.B. die IHK, tendenziell eher abgelehnt, da ausreichend Flächen für diese Art der Nutzung an anderer Stelle zur Verfügung stehe. Dieser Eindruck ergab sich ebenso für die Vorschläge zum Bau einer Kindertagesstätte, einer Grundschule oder eines Stadtbades. Auch das Thema Wohnen wurde unter den Teilnehmenden kontrovers diskutiert: Einzelne befürworteten eine Wohnbebauung auf dem Wendersplatz andere hingegen sehen den Wendersplatz nicht als Wohnstandort.

Öffentlicher Raum und Grün

Die Schaffung von Grünflächen und Freiraum spielt in der heutigen Zeit eine immer größere Rolle – so auch in Neuss am Wendersplatz. Insbesondere an dieser Stelle bietet es sich an, der Trittsteinfunktion des Wendersplatzes zwischen Innenstadt und Rhein – dem Rheinkorridor – gerecht zu werden und die Anbindung an die umliegenden großräumigen Freibereiche herzustellen. Dafür wünschen sich viele der Teilnehmenden eine Freiraumlösung für den Wendersplatz, indem zum Beispiel ein zusätzlicher Park mit dem jetzigen Rennbahnpark verknüpft wird. Dieser Park sollte als Begegnungsstätte für alle Generationen dienen und zahlreiche Funktionen, wie z.B. Erholung und Spielmöglichkeiten für Kinder erfüllen. Er könnte zudem als grüner Veranstaltungsort genutzt werden, der auch gastronomische Angebote beherbergt.

Auch das Thema Klimawandel spielt für die Teilnehmenden in der Planung eine wichtige Rolle. Besonders wichtig ist dabei vor allem, dass Frischluftschneisen bestehen bleiben sowie Barrieren und Hitzeinseln vermieden werden. Letzterem könne durch die Anpflanzung von Bäumen (Verschattung), Grünflächen und damit wenig versiegelten Flächen (Verdunstung) entgegengewirkt werden.

Die grafische Übersicht der Ergebnisse der Online-Beteiligung finden sie nachfolgend. Die Inhalte werden vom Planungsteam in das weitere Verfahren eingebunden und fließen in die Aufgabenstellung des Wettbewerbs zur Entwicklung des Wendersplatzes ein.