Pressefoto von Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth

Neuss trauert um Prof. Dr. Rita Süssmuth, erste Ehrenbürgerin der Stadt

Mit dem Tod ihrer ersten Ehrenbürgerin verliert die Stadt Neuss eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg politische Kultur, gesellschaftlichen Zusammenhalt und das Leben in Deutschland und unserer Stadt geprägt hat. Rita Süssmuth lebte mehr als 50 Jahre in Neuss und verstand ihre Ehrenbürgerwürde als Auftrag. Ihr Wirken, ihre Haltung und ihr Mut bleiben unvergessen.

Die Stadt Neuss trauert um Prof. Dr. Rita Süssmuth, die am 1. Februar 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Mit ihr verliert Neuss seine erste Ehrenbürgerin und eine Persönlichkeit, die die politische Kultur in Deutschland wie auch das gesellschaftliche Leben unserer Stadt über Jahrzehnte geprägt hat.

Prof. Dr. Rita Süssmuth lebte seit mehr als fünf Jahrzehnten in Neuss. Die Quirinusstadt war ihr Lebensmittelpunkt und ihre Heimat. Ihr langjähriges Engagement, ihre Haltung und ihre Verbundenheit mit Neuss machten sie zu einer wichtigen Stimme innerhalb der Stadtgesellschaft.

Am 18. März 2023 verlieh die Stadt Neuss Prof. Dr. Rita Süssmuth das Ehrenbürgerrecht – die höchste Auszeichnung der Stadt und ein in Neuss seltenes Ereignis. Erstmals wurde diese Würde an eine Frau vergeben.

Bürgermeister Reiner Breuer würdigt Prof. Dr. Rita Süssmuth mit folgenden Worten:

Mit Prof. Dr. Rita Süssmuth verliert Neuss seine erste Ehrenbürgerin – und wir verlieren eine Frau, die uns gezeigt hat, was Haltung bedeutet.

Viele Weggefährten haben Rita Süssmuth als Kämpferin beschrieben. Aber noch stärker verband man mit ihr etwas anderes: durchhalten, nicht aufgeben, weitermachen. Sie hat nie den bequemen Weg gesucht. Und wer sie für unbequem hielt, machte ihr – wie Hermann Gröhe es in seiner Laudatio zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde treffend formulierte – in Wahrheit ein Kompliment.

Sie war zugleich eine überzeugte Brückenbauerin. Rita Süssmuth glaubte an die Kraft des Gesprächs – daran, dass etwas entsteht, wenn Menschen miteinander reden: manchmal nicht sofort, manchmal gegen Widerstände, aber immer mit dem festen Willen, nicht zu resignieren.

Neuss war ihr Zuhause. Sie lebte seit mehr als einem halben Jahrhundert in unserer Quirinusstadt – und sie hat berührend beschrieben, was Heimat für sie bedeutet: Menschen, denen man vertraut, Wege, die man kennt – ein Ort, an dem man bleibt. Dieses Bekenntnis zu Neuss war echt und tief.

Am 18. März 2023 durften wir Rita Süssmuth im Alten Ratssaal das Ehrenbürgerrecht verleihen – die höchste Auszeichnung, die unsere Stadt zu vergeben hat, und ein in Neuss ohnehin sehr seltenes Ereignis. Dass erstmals eine Frau diese Würde erhielt, war nicht nur überfällig, sondern ein wichtiges Zeichen: Frauen gestalten Stadt, Staat und Gesellschaft mit und das soll Anerkennung finden. Und Rita Süssmuth hat in ihrem langen politischen Wirken insbesondere Frauen immer wieder Mut gemacht sich einzubringen und zu sagen: Ja – es lohnt sich.

Dabei war ihr stets eine große Bescheidenheit eigen, die auch bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde deutlich wurde. Sie habe diese Auszeichnung eigentlich nicht verdient, sagte sie – fügte aber gleich hinzu, dass sie nun etwas daraus machen wolle. Und genau das tat sie in und für Neuss.

Rita Süssmuth verstand die Ehrenbürgerwürde nicht alleine als Auszeichnung, sondern als Auftrag. Sie brachte sich in das gesellschaftliche Leben unserer Heimatstadt ein, suchte den Austausch insbesondere mit jungen Menschen, interessierte sich für lokale Debatten und nahm Anteil an dem, was Neuss bewegte. Der Austausch zwischen den Generationen war ihr ein besonderes Anliegen.

Auch ihr Wirken in Neuss war stets geprägt von Haltung, Dialogbereitschaft und dem Wunsch, Gemeinschaft zu stärken. Sie war nicht nur „in Neuss zu Hause“, sondern Teil der Neusser Stadtgesellschaft. Sie kannte und schätzte das rheinische Miteinander ebenso wie die Traditionen unserer Stadt – darunter auch das Neusser Bürger-Schützenfest, das sie als Ausdruck von Zusammenhalt und sozialer Verantwortung verstand.

Dass sie dabei nicht nur Beobachterin war, durfte ich selbst erleben: Beim gemeinsamen Abnehmen der Schützenparade stand sie an meiner Seite – aufmerksam, präsent und mit dem Durchhaltevermögen, das viele mit ihr verbinden. Auch hier blieb sie sich treu.

Ihr Wirken lässt sich nicht auf ein einzelnes Thema reduzieren. Sie hat Politik und Zeitgeschehen in Deutschland entscheidend mitgeprägt – als Bundesministerin und als Präsidentin des Deutschen Bundestages, aber ebenso als streitbare Demokratin, die sich für Gleichberechtigung, Vielfalt, Integration und das Gemeinwohl eingesetzt hat. Gerade in einer Zeit, die viele Menschen als krisenhaft und herausfordernd erleben, bleiben solche Persönlichkeiten Orientierung.

Dass heute eine Neusser Schule ihren Namen trägt – die Rita-Süssmuth-Realschule – ist und bleibt für mich ein besonders starkes Zeichen: Ihr Lebenswerk wirkt weiter, jeden Tag, dort, wo Zukunft beginnt – bei jungen Menschen. 

Wir sind dankbar für alles, was Rita Süssmuth unserer Stadt und unserem Land gegeben hat. Ihre Stimme, ihre Haltung und ihr Mut werden fehlen.

Ihr Vorbild bleibt.

Als Zeichen der Anteilnahme hat Bürgermeister Reiner Breuer Trauerbeflaggung am Rathaus angeordnet. Zudem liegt ab Montag, den 2. Februar 2026, im Foyer des Neusser Rathauses ein Kondolenzbuch aus, in das sich alle Bürgerinnen und Bürger zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses eintragen können.

Prof. Dr. Rita Süssmuth hinterlässt ein bleibendes Vermächtnis – geprägt von Haltung, Dialogbereitschaft und dem Einsatz für Demokratie, Gleichberechtigung und generationsübergreifenden Austausch.

 

  • Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth steht hinter dem Rednerpult und hält ihre Dankesrede.
    Prof. Dr. Rita Süssmuth während ihres Vortrags im Rahmen der Verleihung ihrer Ehrenbürgerschaftsurkunde
  • Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth steht gemeinsam mit dem Erzbischof, dem Bürgermeister und dem Schützenkönig im strahlenden Sonnenschein.
    Prof. Dr. Rita Süssmuth gemeinsam mit S.E. Nikola Eterović, Bürgermeister Reiner Breuer und dem Neusser Schützenkönig 2022/2023 S.M. Marc I. Hillen bei der Abnahme der Königsparade
  • Frau Süssmuth zeigt auf ihr Portraitgemälde, auf dem eine junge Frau mit Brille und Frau Süssmuths markanter Frisur zu sehen ist: aufrecht stehend und scheinbar dabei, eine Rede anzustimmen.
    Prof. Dr. Rita Süssmuth bei der Enthüllung ihres Portraitgemäldes im Neusser Ratssaal
  • Frau Süssmuth lächelt gemeinsam mit Herrn Beuer in die Kamera. Im Hintergrund sind zahlreiche weitere Besucher des Konzerts in der Stadthalle zu sehen.
    Prof. Dr. Rita Süssmuth gemeinsam mit Bürgermeister Reiner Breuer beim Empfang zum Neujahrskonzert 2024
  • Frau Süssmuth und Herr Breuer lächeln in die Kamera – im Hintergrund ist der sonnenlichtdurchflutete Konzertsaal des Zeughauses zu sehen.
    Prof. Dr. Rita Süssmuth gemeinsam mit Bürgermeister Reiner Breuer bei der Verabschiedung der Beigeordneten Dr. Zangs im Zeughaus am 28. April 2023
  • Prof. Dr. Rita Süssmuth steht zwischen den Herren Wüst und Breuer und hält einen Spaten in der Hand.
    Prof. Dr. Rita Süssmuth gemeinsam mit Ministerpräsident Hendrik Wüst und Bürgermeister Reiner Breuer beim Spatenstich auf dem Gelände der Landesgartenschau Neuss 2026
  • Frau Süssmuth steht gemeinsam mit der Künstlerin und der Beigeordneten vor dem Portraitgemälde und lächelt in die Kamera.
    Prof. Dr. Süssmuth gemeinsam mit der Künstlerin Simone Lucas und der Beigeordneten Ursula Platen bei der Enthüllung ihres Portraitgemäldes im Ratssaal der Stadt Neuss
  • Frau Süssmuth steht gemeinsam mit den Herren Breuer und Gröhe auf dem Neusser Rathausbalkon. Im Hintergrund ist das Quirinus-Münster zu sehen.
    Prof. Dr. Süssmuth gemeinsam mit Bürgermeister Reiner Breuer und dem Minister a.D. Hermann Gröhe auf dem Balkon des Neusser Rathauses im Januar 2023
  • Portraitgemälde der Künstlerin Simone Lucas mit Trauerflor

Bildergalerie

Im Jahr 2023 führte die Neusser Journalistin Hanni Hüsch ein eindrucksvolles Gespräch mit Prof. Dr. Rita Süssmuth. Der von Helge Drafz realisierte Film gewährt einen sehr persönlichen Blick auf das Leben dieser außergewöhnlichen Frau: er zeigt sie sowohl in ihren privaten vier Wänden in Neuss als auch an dem Ort, an dem sie politisch gewirkt hat – im alten Bonner Bundestag.