29. Januar 2026
Lust auf etwas Neues? Das Museum und sein Programm für das Jahr 2026
Jahrespressekonferenz im Clemens Sels Museum Neuss
Neuss wie noch nie – so lautet das Motto der Landesgartenschau 2026. Dies gilt gleichermaßen für das Programm des Clemens Sels Museums Neuss. Ob allein, im Freundeskreis oder mit der Familie, alle können aus einer Vielzahl von attraktiven Freizeitoptionen wählen: sehenswerte Ausstellungen, ein breitgefächertes Kreativangebot und ein buntes Begleitprogramm zur diesjährigen LAGA stehen bereit.
AUSSTELLUNGEN UND VERMITTLUNG
Antike Reloaded. Von Asterix bis Amor
Bis zum 7. Juni 2026 ist die Sonderausstellung „Antike Reloaded. Von Asterix bis Amor“ zu sehen. Neben öffentlichen Führungen und Familiensonntagen ist insbesondere die Lesung „Liebe. List und Leidenschaft auf dem Olymp“ in Kooperation mit der Stadtbibliothek am Donnerstag, den 26. Februar 2026 ein Highlight. Nach einer Kurzführung durch die Sonderausstellung wird der Schauspieler Patrick Schad mit frischen Interpretationen antiker Mythen bis hin zu neu entdeckten Geschichten faszinierender Göttinnen und Heldinnen den Gartensaal füllen.
Im Rheinischen Landestheater läuft ab Februar 2026 „Zweigs Garten“, ein Stück, das die besondere Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart zeigt und von einer Welt im Umbruch erzählt. Besucherinnen und Besucher, die das Stück besuchen, erhalten mit ihrer Theaterkarte einen ermäßigten Eintritt für die Sonderausstellung „Antike Reloaded“ und entdecken die Welt der Antike, die bis heute die Gegenwart inspiriert. Auch Museumsbesucher erhalten mit ihrer Eintrittskarte einen Rabatt im Rheinischen Landestheater für „Zweigs Garten“.
Vermittlung
Insbesondere für die Neusser Schülerinnen und Schüler ist noch bis zum Ende der Laufzeit die einmalige Gelegenheit auf antike Spurensuche zu gehen. Für Grundschüler ab 6 Jahren werden in der zweiten Osterferienwoche kreative Workshops angeboten. Schülerinnen und Schüler der weiterführenden Schulen entdecken mit einem Besuch der Römischen Sammlung anhand von Exponaten und Funden die „Antike im Original“ und gleichzeitig präsentiert die laufende Sonderausstellung die Antike als Inspiration über die Jahrhunderte hinweg mit Einflüssen auf Mode, Architektur bis hin zur aktuellen (Pop)kultur.
Innovative und vor allem kurzweilige Vermittlungsformate zu spannenden Themen der Römischen Sammlung lassen den Museumsbesuch für alle Kinder zum Erlebnis werden! Dazu informiert das Museum in einem Newsletter an alle Neusser Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen nach Karneval.
Umwelt Landschaft Freiheit
Ab 5. Juli 2026 beleuchtet die Ausstellung „Umwelt Landschaft Freiheit“ passend zur diesjährigen LAGA in Neuss die wechselvolle Geschichte der Landschaft am Niederrhein und zeigt, wie tief menschliche Eingriffe das Naturbild seit der Steinzeit bis heute geprägt haben. Mensch und Umwelt stehen in einer starken Wechselwirkung zueinander, die eng mit dem Begriff Freiheit verbunden ist. Denn letztlich bedeutet Freiheit nicht allein die Abwesenheit von Zwängen, sondern auch die Möglichkeit zum selbstbestimmten Handeln. Waren die Eingriffe der Jäger und Sammler in der frühen Menschheitsgeschichte noch gering, so prägten landwirtschaftliche Großbetriebe sowie große Militärlager das römische Neuss. Nach dem Zusammenbruch der römischen Herrschaft eroberte sich die Natur viele Flächen zurück.
Im Hochmittelalter und in der Frühen Neuzeit wurde die Landschaft erneut grundlegend verändert: Wälder wurden gerodet, Moore trockengelegt, Städte, Burgen und Klöster errichtet. Eine noch radikalere Umgestaltung der Landschaft setzte während der Industrialisierung im 19. und 20. Jahrhundert im Neusser Stadtgebiet ein. Industrieanlagen, Eisenbahnen, der Hafen und neue Wohngebiete wurden gebaut.
Mit dem zunehmenden Verschwinden der Natur entstand eine neue Sehnsucht nach ihr, die nun mit Freiheit verbunden wurde. Parks und Gärten sollten als Ausgleich dienen. Ökologisches Bewusstsein erwachte. Die Ausstellung zeigt diese Entwicklungen und stellt die Frage, was Natur ist – und wie eine Freiheit aussehen kann, die Mensch und Umwelt gleichermaßen berücksichtigt.
Das Museumsprogramm zur LAGA
Römischer Garten
Mit Beginn der LAGA am 16. April 2026 öffnet auch der Römische Garten seine Pforten. Auf Vorschlag des Clemens Sels Museum Neuss und in Zusammenarbeit mit Wissenschafler*innen des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland sowie der Universität zu Köln entsteht auf der Landesgartenschau ein römischer Garten. In Gestalt eines römischen Ziergartens mit umlaufendem Peristyl (Laubengang) wachsen Nutzpflanzen, die die Römer am Niederrhein eingeführt haben. Zu ihnen gehören Kulturobstbäume sowie zahlreiche Gemüse- und Gewürzpflanzen. Der Brunnen in der Mitte der Gartenanlage wird vom Verein der Freunde und Förderer des Clemens Sels Museums Neuss e.V. gesponsort. Neben ihm liegt ein Heiliger Hain mit der Replik eines Weihesteins, der von Wildrosen und einem Walnussbau umrahmt wird.
Limes-Geburtstag mit Festwoche
Den Auftakt der Festwoche zum 5. Geburtstag des UNESCO-Welterbes Niedergermanischer Limes (NGL) macht am Sonntag, 26. Juli 2026 um 11 Uhr die Eröffnungsmatinée „Leben am Limes. Neue archäologische Ausgrabungen in Neuss“ im Clemens Sels Museum Neuss. Neuss ist ein Hotspot der römischen Archäologie in Nordrhein-Westfalen. Neben dem Legionslager und dem Kastell auf dem Reckberg, die seit 2021 als Teil des Niedergermanischen Limes UNESCO-Welterbestätten sind, gibt es in Neuss eine Reihe weiterer Lager, ziviler Siedlungen sowie Gräberfelder der römischen Zeit.
Nun gibt es neue Erkenntnisse zum antiken Novaesium. Unweit des Legionslagers in Neuss-Gnadental fanden in den letzten drei Jahren verschiedene Ausgrabungen im Vorfeld von Baumaßnahmen statt, unter anderem an der Konradschule und der Dunantstraße. Die mit den Ausgrabungen beauftragten Archäologen stellen erste Ergebnisse ihrer Untersuchungen im Clemens Sels Museum Neuss vor.
In der Limes-Geburtstagswoche vom 27. Juli bis 2. August 2026 bietet das Clemens Sels Museum Neuss diverse Vermittlungsprogramme an. Ferienprogramme, kreative Workshops für Kinder und Führungen runden das Angebot ab.
Beste Freunde!
Ab 15. November 2026 widmet sich das Museum mit der Ausstellung „Beste Freunde! Mensch und Tier in der Naiven Kunst“ der ganz besonderen Verbindung zwischen Menschen und ihren Tieren. Nicht selten werden heute Haustiere beinahe zu echten Familienmitgliedern. In der Naiven Kunst gibt es im Spannungsfeld von Fantasie und Akribie ein breites Spektrum an Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen, welches die Eigenart der Tiere und ihre Beziehung zum Menschen beleuchten. Dabei bestechen die ohne akademische Anleitung geschaffenen Werke der internationalen Vertreter*innen der Naiven Kunst durch ihre unverfälschte Intensität.
FELD-HAUS – MUSEUM FÜR POPULÄRE DRUCKGRAFIK
Untiefen des Raums. Simon Schubert im Feld-Haus
Im Feld-Haus, der Dependance des Museums, erleben die Besucher*innen in der laufenden Ausstellung „Untiefen des Raums. Simon Schubert im Feld-Haus“ noch bis zum 19. April 2026 eine poetisch-melancholische Parallelwelt aus Papier.
Ankauf Simon Schubert
Für Simon Schubert (*1976) ist das Papier zugleich Bildträger und Gestaltungsmaterial. Seine filigranen Flachreliefs aus gefaltetem und gefalztem Papier spielen mit der Wahrnehmung. Mal wirken sie wie Zeichnungen, dann wieder skulptural. Vor den Augen der Betrachtenden entsteht ein optisches Verwirrspiel aus illusionären, ineinander verschachtelten architektonischen Räumen, die zwischen Zwei- und Dreidimensionalität changieren. Sie sind von fast surrealer Qualität. Mit seiner raumgreifenden Papierinstallation »Untiefen des Raums« schuf der Kölner Künstler eine faszinierende Welt aus Licht und Schatten speziell für das Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik.
Das Clemens Sels Museum Neuss freut sich, nach dem Ende der Ausstellung im kommenden Frühjahr zwei Arbeiten des international renommierten Künstlers ankaufen zu können, die unmittelbar im Kontext von »Untiefen des Raums« entstanden sind.
Tagungsband „Ein Bild für alle Fälle“
Als Kaufanreiz zur Warenbeigabe erdacht und in enormen Stückzahlen produziert, findet das Reklamebild Mitte des 19. Jahrhunderts eine rasche Verbreitung. Der faszinierenden Erfolgsgeschichte des Sammelbildes widmete das Feld-Haus die Ausstellung „Ein Bild für alle Fälle. Sammelkarten von Stollwerck bis Liebig und Panini bis Pokémon“ (2023).
Kürzlich ist ein umfassender und reich bebilderter Tagungsband zum gleichnamigen Symposium im Universi Verlag der Universität Siegen erschienen. Er kann für 28,50 Euro sowohl im Museumsshop des Clemens Sels Museums Neuss als auch im Feld-Haus erworben werden.
Ausstellung, Tagung und Publikation sind in Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich 1472 „Transformationen des Populären“ der Universität Siegen entstanden und wurden durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
Endlich Schöner Wohnen
Mit der Ausstellung „Endlich Schöner Wohnen. Farbige Öldrucke zwischen Kitsch und Kostbarkeit“ widmet sich das Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik ab dem 10. Mai 2026 in seiner nächsten Jahresausstellung den vielfältigen Facetten des Öldrucks.
Farbige Elfenreigen, röhrende Hirsche oder sentimentale Madonnenbilder – passend gerahmt und in teils besonderen Formaten wie dem sogenannten Schlafzimmerbild fand der farbige Öldruck um 1900 eine weite Verbreitung. Während sich viele der populären Bildmotive deutlich von musealer Kunst unterschieden, spezialisierten sich einige Firmen auf täuschend echte Faksimile-Drucke. Dank glänzender Firnisschicht und strukturierter Oberfläche waren sie für das ungeübte Auge von echten Ölgemälden kaum zu unterscheiden.
In hohen Auflagen produziert und gezielt vermarktet, hielten die Öldrucke Einzug in Arbeiter- und kleinbürgerliche Haushalte. Dort wurden die erschwinglichen Bildreproduktionen zum bevorzugten Wandschmuck – zur vielfach zitierten »Zimmertapete« des kleinen Mannes. Mit ihnen fanden bald auch Meister der Kunstgeschichte wie Leonardo da Vinci oder Raffael ihren Platz in kunstfernen und bescheidenen Wohnstuben.
Auf diese Weise trug der Öldruck wesentlich zur Verbreitung eines kunstgeschichtlichen Kanons bei, der zugleich an einen populären Massengeschmack angepasst wurde: Formate und Bildausschnitte wurden verändert, Farben kräftiger wiedergegeben, Motive bei Bedarf modifiziert. Die Popularisierung von Kunst war um 1900 dabei eng mit dem Anspruch der ästhetischen Erziehung breiter Bevölkerungsschichten verbunden. Angesichts der enormen Verbreitung der Bilder, reicht die Bedeutung des Öldrucks somit weit über den eines alltäglichen Dekorationsgegenstands hinaus.
Anhand von rund 80 teils selten oder erstmals gezeigten Exponaten aus der eigenen Sammlung sowie aus Privatbesitz wirft die Ausstellung »Endlich Schöner Wohnen« einen ebenso frischen wie nostalgischen Blick auf den farbigen Öldruck zwischen Kitsch und Kostbarkeit.
Das Ausstellungsprojekt wird von einem wissenschaftlichen Symposium (Fr./ Sa., 30. und 31. Oktober 2026) samt Publikation begleitet und entsteht in Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich 1472 »Transformationen des Populären« der Universität Siegen. Im Rahmen der Ausstellung werden überdies Lehrveranstaltungen am Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der Technischen Universität Dortmund sowie am Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main angeboten.
AUSBLICK 2027
Die Sammlung zum Symbolismus des Clemens Sels Museum Neuss ist deutschlandweit einzigartig.
Im Herbst widmet sich das Haus mit „Zeit und Ewigkeit. Vision und Abstraktion von Toorop bis Mondrian“ bedeutenden Vertretern des niederländischen Symbolismus.
Der Symbolismus stellt in der Kunstgeschichte weit mehr als eine bloße antirealistische Strömung des Fin de Siècle dar. Vielmehr markiert seine Hinwendung zur Abstraktion einen entscheidenden Aufbruch der Moderne. Lange Zeit als Randerscheinung betrachtet, zeigt sich heute, dass gerade der niederländische Symbolismus wesentlich zur Entwicklung der Abstraktion beigetragen und damit den Weg für eine der zentralen Errungenschaften der Kunst des 20. Jahrhunderts geebnet hat.
Mit der Suche nach dem Geistigen und Transzendentalen schufen Künstler wie Jan Theodoor Toorop (1858–1928) und Johan Thorn Prikker (1868–1932) das Fundament für die Abkehr vom Materialismus. Beeinflusst durch theosophische Prinzipien und Verbindungen zu esoterischen Strömungen, etwa dem Rosenkreuzerorden von Joséphin »Sâr« Péladan, strebten die Künstler bereits in den frühen 1890er Jahren danach, das Wesentliche der Dinge sichtbar zu machen. Ihre Werke sind geprägt von religiösen und mystischen Themen und orientierten sich unter anderem an den englischen Präraffaeliten sowie an literarischen Vorbildern wie Charles Baudelaire.
Zwei herausragende Vertreter des Symbolismus in den Niederlanden sind mit bedeutenden Werken in der Sammlung des Clemens Sels Museums Neuss vertreten. An erster Stelle steht Jan Theodoor Toorop, dessen Werk ab 1891 zunehmend symbolistische Züge trägt. Charakteristisch für seine Arbeiten sind geschwungene, rhythmisch fließende Linien sowie stark stilisierte Figuren, die nicht zuletzt einen entscheidenden Einfluss auf die Formsprache Gustav Klimts (1862–1918) hatten. Einen noch radikaleren formalen Ansatz verfolgte Johan Thorn Prikker, in dessen Werk sich die Linie zunehmend von der gegenständlichen Darstellung löst und eine nahezu eigenständige Bedeutung gewinnt. Mit dieser konsequenten Reduktion der Bildsprache ebneten Toorop und Thorn Prikker den Weg – über den Symbolismus und Jugendstil hinaus – zur Abstraktion: Sie führte im 20. Jahrhundert schließlich zur geistigen Ordnung und Geometrisierung des Bildes durch Linien und Primärfarben im Werk Piet Mondrians (1872–1944).
Nach wichtigen Präsentationen zum französischen und belgischen Symbolismus sowie zu symbolistischen Tendenzen in der Gegenwartskunst präsentiert das Clemens Sels Museum Neuss nun eine umfassende Schau zur Vielfalt der niederländischen Moderne – von der ornamentalen Stilisierung bis zur geometrischen Formsprache der frühen Abstraktion. In seinem tiefgreifenden Wunsch nach einer Vergeistigung in der Kunst darf der niederländische Symbolismus bis heute als eine der bedeutendsten Epochen der europäischen Kunstgeschichte gelten.
PRESSEPORTAL - Text- und Bildmaterial bis 08.03.2026 online verfügbar unter:
Link: https://bit.ly/3LMFPql
Passwort: JahresPK_2026
Ein Foto von der Jahrespressekonferenz finden Sie in unserem Bildarchiv.
v.l.n.r.: Anita Hachmann M.A. (Stellvertretende Museumsdirektorin), Dr. Uta Husmeier-Schirlitz (Museumsdirektorin), Dr. Carl Pause (Kurator Archäologie und Stadtgeschichte), Dr. Bettina Zeman (Kuratorin Kunst 19. bis 21. Jahrhundert)