05. Mai 2026

Neuss misst den „Puls der Stadt": Anonyme KI-Analyse für zukunftsorientierte Stadtplanung

KI-Systeme und ergänzende Messtechnik erfassen Bewegungsströme in der Neusser Innenstadt

Die Stadt Neuss hat ein wegweisendes Smart-City-Projekt zur datenbasierten Weiterentwicklung der Innenstadt gestartet. Am Marktplatz und in weiteren Innenstadtbereichen sind innovative Kamerasysteme im Einsatz, die mithilfe Künstlicher Intelligenz Bewegungsdaten erfassen. Ziel ist es, Frequenz und Mobilität im Zentrum besser zu verstehen. Ergänzend dazu liefert eine Bluetooth-basierte Messtechnik anonyme Frequenzdaten. Erkannt wird ausschließlich, ob ein Bluetooth-Signal in der Nähe vorhanden ist, ohne dass personenbezogene Daten ausgelesen oder gespeichert werden.

Das Projekt verfolgt drei übergeordnete Ziele: die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu steigern, den lokalen Einzelhandel gezielt zu stärken und die Stadtplanung präziser sowie bürgernäher zu gestalten.

„Wir wollen unsere Neusser Innenstadt aktiv gestalten und noch besser auf die Bedürfnisse der Menschen ausrichten. Dafür benötigen wir verlässliche Daten. Mit dieser datenschutzkonformen Technologie gewinnen wir wertvolle Erkenntnisse darüber, wie Bürgerinnen und Bürger sowie Besucherinnen und Besucher das Zentrum nutzen. So können wir Investitionen gezielter lenken – sei es bei der Platzgestaltung, der Verkehrslenkung oder der Eventplanung“, betont Bürgermeister Reiner Breuer.

Die Stadtverwaltung ist sich der Sensibilität des Themas bewusst. Ausdrücklich handelt es sich bei dem Projekt nicht um eine Videoüberwachung. Die Stadt Neuss stellt sicher, dass keine personenbezogenen Daten erhoben, gespeichert oder weitergegeben werden.

Die eingesetzten Kameras nutzen lokale KI-Software, sogenanntes Edge Computing. Dabei werden die erfassten Bilder unmittelbar in der Kamera in anonyme Zähldaten umgewandelt. Eine Speicherung oder ein späterer Abruf von Kamerabildern ist technisch ausgeschlossen. 

Auch eine Identifizierung von Personen findet nicht statt. Gesichter, Kennzeichen oder andere personenbezogene Merkmale werden weder gespeichert noch weitergegeben. Das System erkennt ausschließlich Objektklassen wie Fußgänger*innen, Radfahrende, Straßenbahnen sowie Pkw und Lkw.

Verarbeitet werden ausschließlich anonymisierte statistische Werte, etwa die Anzahl der Personen, die einen bestimmten Bereich passieren. Auch die ergänzende Bluetooth-Messtechnik liefert vollständig anonyme Frequenzdaten. Sie erkennt lediglich, ob sich ein Bluetooth-Signal in der Nähe befindet. Eine Zuordnung zu einzelnen Personen oder Geräten erfolgt nicht. Entsprechende Hinweisschilder klären vor Ort über den Einsatz der Technologie auf.

Die gewonnenen Daten ermöglichen der Stadt, gezielte Maßnahmen zu entwickeln und fundierte Entscheidungen zu treffen. Im Rahmen der Landesgartenschau Neuss 2026 werden hohe Besucherzahlen und verstärkte Bewegungen entlang des Hauptstraßenzugs, über den Markt und den Wendersplatz bis zum neuen Stadtpark erwartet. Die Frequenzmessung hilft dabei, den entstehenden Mehrwert zu quantifizieren, Bedarfe frühzeitig zu erkennen und perspektivisch Echtzeit-Informationen bereitzustellen.

Zudem zeigen die Daten, welche Plätze zu welchen Zeiten belebt sind. Dies bildet die Grundlage für eine gezielte Verbesserung von Angeboten und Infrastruktur, etwa bei Bänken und Begrünung. Auch Bewegungen von Radfahrenden und Fußgänger*innen sowie Ein- und Ausstiege in den ÖPNV werden differenzierter als bisher erfasst und fließen direkt in die Verkehrs- und Infrastrukturplanung ein.

Der Handel erhält zudem eine belastbare Datengrundlage, um Attraktivität und Fußgängerfrequenz des Standorts besser einschätzen zu können.

Die Daten sind für alle Interessierten im Open Data-Portal der Stadt Neuss einsehbar: Smart City Neuss - Passant*innen in der Neusser City