08. Mai 2026

Endlich Schöner Wohnen

Farbige Öldrucke zwischen Kitsch und Kostbarkeit

Mit der Ausstellung „Endlich Schöner Wohnen. Farbige Öldrucke zwischen Kitsch und Kostbarkeit“ widmet sich das Feld-Haus – Museum für Populäre Druckgrafik ab Sonntag, 10. Mai 2026 in seiner nächsten Jahresausstellung den vielfältigen Facetten des Öldrucks. 
Farbige Elfenreigen, röhrende Hirsche oder sentimentale Madonnenbilder – passend gerahmt und in teils besonderen Formaten wie dem »Schlafzimmerbild« fand der sogenannte Öldruck um 1900 eine weite Verbreitung. Während sich viele der populären Bildmotive deutlich von musealer Kunst unterschieden, spezialisierten sich einige Firmen auf täuschend echte Faksimile-Drucke. Dank glänzender Firnisschicht und strukturierter Oberfläche waren sie für das ungeübte Auge von echten Ölgemälden kaum zu unterscheiden.
Hersteller wie die Kunstanstalten A.G. May in Frankfurt am Main und Dresden konkurrierten um verkaufskräftige Motive und boten ein breites Spektrum an, um den geschmacklichen Vorlieben unterschiedlicher Käuferschichten gerecht zu werden. Der Verkauf erfolgte ebenso über den Handel wie durch umherziehende Kleinhändler. 
In kleinbürgerlichen Haushalten und Arbeiterwohnungen wurden die erschwinglichen Bilder zur »Zimmertapete« der kleinen Leute. Das Kopfende so manchen Ehebetts zierte ein »Elfenreigen« im Handtuchformat und für die Gute Stube gab es das Sofabild mit idyllischen Landschaftsdarstellungen. Bald fanden auch Alte Meister wie Leonardo da Vinci oder Raffael ihren Platz in kunstfernen und bescheidenen Wohnstuben.

Die Popularisierung von Kunst war um 1900 eng mit dem Anspruch der ästhetischen Erziehung breiter Bevölkerungsschichten verbunden. Angesichts der enormen Verbreitung der Bilder reicht die Bedeutung des Öldrucks weit über den eines alltäglichen Dekorationsgegenstands hinaus. Gleichzeitig trug er wesentlich zur Verbreitung eines kunstgeschichtlichen Kanons bei. Dabei wurden Bildmotive von Kunstwerken nicht selten an einen populären Massengeschmack angepasst, Formate und Bildausschnitte verändert, Motive bei Bedarf modifiziert und Farben kräftiger wiedergegeben.
Anhand von rund 70 teils selten oder erstmals gezeigten Exponaten aus der eigenen Sammlung sowie aus Privatbesitz wirft die Ausstellung »Endlich Schöner Wohnen« einen ebenso frischen wie nostalgischen Blick auf den farbigen Öldruck zwischen Kitsch und Kostbarkeit.
Das Ausstellungsprojekt wird von einem wissenschaftlichen Symposium (Fr./Sa., 30. und 31. Oktober 2026) samt Publikation begleitet und entsteht in Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich 1472 »Transformationen des Populären« der Universität Siegen. Im Rahmen der Ausstellung werden überdies Lehrveranstaltungen am Seminar für Kunst und Kunstwissenschaft der Technischen Universität Dortmund sowie am Kunstgeschichtlichen Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main angeboten.