Bürgermeister Breuer nimmt den Jahresbericht der Verbraucherzentrale Neuss von Beratungsstellenleiterin Dorothea Khairat und Verbraucherberater Christian Fuchs entgegen.

Wenn das Online-Schnäppchen zum kostspieligen Reinfall wird

Beratungsstelle in Neuss stellt Jahresbericht 2025 vor / Digitale Konsumwelt führt zu komplexeren Anliegen

Untergeschobene Verträge, missglückte Widerrufe oder Ärger mit Zahlungsdienstleistern: Bei rund 4294 Anliegen war die Verbraucherzentrale in Neuss im vergange-nen Jahr wieder verlässliche Ansprechpartnerin, um Verbraucherrechte durchzuset-zen oder unberechtigten Forderungen einen Riegel vorzuschieben.
 

„Gerade bei den vielen aktuellen Veränderungen und Krisen ist ein wirkungsvoller Verbraucherschutz sehr wichtig. Ich bin froh darüber, dass wir für die Neusser Bür-gerinnen und Bürger mit dem Beratungsangebot der Verbraucherzentrale eine fundierte Orientierung und Unterstützung im Konsumalltag bereit halten“, betont Bürgermeister Reiner Breuer den Stellenwert der Beratungsstelle vor Ort.
 

„Käufe, Buchungen oder Vertragsabschlüsse finden heute überwiegend digital statt. Das ist einerseits bequem, führt aber auch zu vielfältigen und immer komplexer werdenden Problemen. Wenn Anbieter dann nur noch per KI-gesteuertem Chatbot oder Kontaktformular erreichbar sind oder gar nicht reagieren, sind viele Verbraucher:innen überfordert“, berichtet Beratungsstellenleiterin Dorothea Khairat.
 

Von immer professioneller gestalteten Fakeshops über vermeintliche „Hilfen“ beim Ausfüllen von Behördenanträgen bis hin zu Coaching-Angeboten mit zweifelhaftem Nutzen: So manches Online-Schnäppchen wurde für die Neusser Verbraucher:innen im vergangenen Jahr zur kostspieligen Falle. 

„Die Menschen sind dann sehr erleichtert, wenn ihre Probleme gelöst werden können“, so Khairat. 

Der Blick in den Jahres-bericht 2025 zeigt: Bei rund 1284 Rechtsberatungen und -vertretungen haben sich die Verbraucherschützer zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt.
Typische Fälle aus der Beratungspraxis:

  • Bei Online-Bestellungen kam es zu falschen Lieferungen und strittigen Retouren
  • Kostenfallen durch sogenannte Dokumenten-Dienstleister nahmen zu
  • Abo-Fallen, etwa bei vermeintlich unverbindlichen Online-Kreditanfragen, sorgten für Beschwerden
  • Aufdringlicher Vertrieb beim Glasfaserausbau führte zu unerwünschten Vertragsabschlüssen


Kein Schutz beim Käuferschutz

Ein zentrales Thema im Berichtsjahr: der vermeintliche Käuferschutz bei Zahlungsdiens-ten wie PayPal, Klarna oder Amazon Pay. Viele Verbraucher:innen verließen sich darauf – und standen im Streitfall dennoch ohne Erstattung da. Die Beratungsstelle klärte rund um den Weltverbrauchertag im März vergangenen Jahres darüber auf, dass gesetzliche Gewährleistungsrechte oft weiter reichen als freiwillige Schutzversprechen der Anbieter.


Künstliche Intelligenz bringt neue Herausforderungen

Auch der Einfluss von Künstlicher Intelligenz (KI) ist in der Beratung deutlich spürbar, so die Beratungsstellenleitung: „Eine falsche KI-Rechtsauslegung führt oft zu Erwartungen, die sich rechtlich gar nicht durchsetzen lassen. Wir müssen diese Erwartungen dann in realistische Bahnen lenken – und manchmal auch enttäuschen.“ Zugleich beobachtet die Verbraucherzentrale NRW neue Risiken: KI-generierte Inhalte können Verbrau-cher:innen in unseriöse Beratungsangebote führen. Perspektivisch sollen jedoch auch eigene KI-Anwendungen die Arbeit der Verbraucherschützer unterstützen.

„Wir prüfen, wie KI unsere Beratung sinnvoll ergänzen kann“, erklärt Berater Christian Fuchs.


Erneuerbare Energien und Klimaanpassung praktisch erklärt

Extreme Wettereignisse wie Hitze und Starkregen werden auch in Neuss zunehmend spürbar und fordern Hauseigentümer:innen und Mieter:innen heraus, sich an die Folgen der Klimaveränderung anzupassen. Aber auch die hohen Kosten für fossile Brennstoffe treiben die Verbraucher:innen um. Ob Begrünung und Dämmung oder Steckersolargeräte und neue Heizungstechnik: Mit Vorträgen und Online-Seminaren konnten praktische Informationen vermittelt werden, wie das Zuhause in Sachen Energie auf Zukunftskurs gebracht werden kann. Mit der Ausstellung „Regen retten – Stadt begrünen“ zeigte die Verbraucherzentrale, wie jede:r Klimaanpassung bei sich in Haus und Hof mitgestalten kann. Die Exponate wie Infotafeln und Hochbeete waren seit September 2025 in der Neusser Innenstadt frei zugänglich, wo sie zum Mitmachen und Lernen einluden. Die Schau zeigte einfach umsetzbare Maßnahmen zur Begrünung, Regenwassernutzung und Vorsorge vor Schäden durch Starkregen. Fachleute der Gruppe Klimaanpassung sowie aus der Beratungsstelle standen an verschiedenen Terminen für Fragen und Beratungen in der Ausstellung zur Verfügung.


Gutes Essen leicht gemacht

Wer etwas darüber erfahren wollte, wie mit einfachen Tipps und Tricks beim Einkauf gespart werden kann und gleichzeitig Lebensmittelverschwendung verhindert wird, war 2025 bei der Volkshochschule richtig. Bei der Online - Veranstaltung „Gutes Essen leicht gemacht!“ in Kooperation mit der VHS Neuss und dem Ernährungsrat im Rhein-Kreis Neuss gab es praktische Tipps für günstiges Einkaufen, einfache, gesunde Rezepte zum Nachkochen, Informationen zur richtigen Lagerung von Lebensmitteln, Möglichkeiten zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung und nicht zuletzt Austausch mit anderen Teilnehmer:innen.


Mach mit – mach’s nachhaltig

Unter dem Motto „Mach mit – mach’s nachhaltig!“ setzte sich das Projekt MehrWertRe-vier weiter für nachhaltigen Konsum im Rheinischen Revier ein. Im Jahr 2025 lag ein be-sonderer Schwerpunkt auf dem Thema Ernährung: Gemeinsam mit jungen Menschen und Engagierten aus Neuss und dem restlichen Revier sowie mit wissenschaftlicher Be-gleitung erforschte das Projekt, wie nachhaltige Ernährung verständlich vermittelt wer-den kann. Im Kreishaus Neuss war die Ausstellung „Konsum im Wandel“ zu sehen. Sechs Stationen boten Impulse zu Ernährung, Mode, Wohnen und Mobilität und luden zum Mitmachen ein. Am Nelly-Sachs-Gymnasium entstand aus einer Praxisaktion eine Fahrradreparatur-AG, die nun durch eine öffentlich zugängliche Reparaturstation ergänzt wurde.

„Viele Menschen sind besorgt und verunsichert wegen der aktuellen Auswirkungen globaler Krisen wie dem Irankrieg. Steigende Preise für Energie und Lebenshaltung belasten gerade Haushalte mit geringem Einkommen. Da ist besonders wichtig und hilfreich, wenn wir bei Alltagsproblemen unterstützen und finanziellen Schaden abwenden können“, so das Fazit von Beratungsstellenleiterin Dorothea Khairat.


Weiterführende Infos (PDF)

www.verbraucherzentrale.nrw/neuss-jahresbericht2025