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Audio Guide (Deutsch) -
Audio Guide (Nüsser Platt) – © Vereinigung der Heimatfreunde Neuss e.V.
Damenstift St. Quirin
Der Name des 2018 geschaffenen Platzes erinnert an das um 950 gegründete nördlich des Münsters gelegene Benediktinerinnenkloster St. Quirin. Das Kloster wurde an der Wende zum 13. Jahrhundert zu einem Damenstift mit den wesentlich offeneren Lebensformen der Stiftskirchen umgewandelt.
Die in dieser Art Versorgungsanstalt für unverheiratete Frauen lebenden Stiftsdamen (Kanonissen) stammten meist aus dem niederrheinischen Landadel. Sie waren fortan keine Nonnen mehr, durften weltliche Kleidung tragen, eigenen Besitz und eine eigene Wohnung haben und den Konvent etwa durch Heirat auch wieder verlassen. Die Kanonissen hatten gottesdienstliche Verpflichtungen zu erfüllen und sich um die Betreuung der Pilger zu kümmern. Die Gemeinschaft bestand im Schnitt aus 15 Frauen, denen eine gewählte Äbtissin vorstand, die sie auch nach außen vertrat. Sie kam zumeist aus dem hohen (rheinischen) Adel – oftmals handelte es sich um eine Schwester des Kölner Erzbischofs. Die seelsorgerische Betreuung der Damen oblag anfangs dem Abt des Benediktinerklosters in Gladbach, später wurde sie von Weltgeistlichen, den Kanonikern übernommen, die ebenfalls auf dem Stiftsgelände lebten. Dies führte sowohl zu innerem Streit wie zu kirchlichem Tadel an der Lebensführung im Stift.
Seit seiner Gründung war die Geschichte des Stifts politisch, wirtschaftlich und sozial von einer konfliktreichen Wechselbeziehung mit der Stadt geprägt. Dabei traten die Stiftsdamen als eigenständige, selbstbewusste Akteurinnen auf, die die Geschicke von Neuss mitprägten. Neben der sozialen Stellung v. a. der Äbtissin lag dies auch daran, dass das Stift St. Quirin ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Stadt war. Es verfügte über ausgedehnten Grundbesitz sowie mehrere Mühlen, womit erhebliche Einkünfte erwirtschaftet wurden. Darüber hinaus hatte sich das Kloster seit der Überführung der Gebeine des Heiligen Quirinus, die der Legende nach 1050 durch die Äbtissin Gepa erfolgte, zu einem bedeutenden Pilgerzentrum entwickelt und überregionale Bedeutung erlangt.
In diesem Zusammenhang ist wohl auch der Neubau der Klosterkirche, des heutigen Quirinusmünsters, zu sehen, der 1209 durch Äbtissin Sophia veranlasst wurde. Nachdem das Damenstift rund 800 Jahre die Stadt- und Kirchengeschichte aktiv mitgestaltet hatte, wurde es 1802 im Zuge der Säkularisation aufgehoben. Die Stiftsdamen flohen über den Rhein, die Stiftsgebäude wurden niedergelegt und die Steine verkauft. Erhalten blieben lediglich einige Keller, die bei archäologischen Grabungen 1979 freigelegt und umgebaut wurden.
Quellen und Texte: Stadtarchiv Neuss
Damenstift St. Quirin
Seit dem Jahr 2018 gibt es den Damenstift-Platz in Neuss.
Wo heute der Damenstift-Platz ist, war früher ein Kloster.
Das Kloster war das Kloster St. Quirin.
St. Quirin bedeutet:
- St. ist die kurze Form für Sankt.
Sankt heißt: heilig. - Quirin ist ein Heiliger, den die Christen verehren.
Auf Latein heißt er Quirinus.
Gründung vom Kloster
Im Jahr 950 gründete man das Kloster Sankt Quirin.
In dem Kloster lebten Nonnen vom Benediktiner-Orden.
Es war also ein Benediktinerinnen-Kloster.
Kloster wird zum Damenstift
Etwa im Jahr 1200 wurde das Kloster zum Damenstift St. Quirin.
In einem Damenstift leben Frauen, die nicht verheiratet sind.
Man nennt die Frauen im Damenstift: Kanonissen.
Die Kanonissen haben zusammen gebetet und Gottesdienste gemacht.
Aber Kanonissen lebten freier als Nonnen.
Es gab weniger Regeln für sie.
Zum Beispiel:
- Kanonissen konnten normale Kleidung tragen.
- Sie durften eigene Dinge und eine eigene Wohnung haben.
- Sie konnten heiraten und
dann das Damenstift verlassen.
Es lebten meistens etwa 15 Frauen im Damenstift.
Sie wählten die Leiterin vom Kloster.
Die Leiterin von einem Kloster heißt: Äbtissin.
Auf dem Gelände vom Damenstift lebten auch Männer.
Man nennt diese Männer: Kanoniker.
Die Kanoniker haben sich um die Seelsorge gekümmert.
Zur Seelsorge gehört zum Beispiel:
- Beichten abnehmen
- Predigten halten
Manchmal gab es Streit zwischen den Kanonikern und Kanonissen.
Wichtige Männer aus der Kirche haben die Kanonissen öfter ermahnt.
Sie meinten zum Beispiel:
- Die Kanonissen leben zu frei und selbstbestimmt.
- Die Kanonissen benehmen sich schlecht.
Die Kanonissen haben die Politik in Neuss mitbestimmt.
Aber es gab auch oft Streit mit der Stadt Neuss.
Zum Beispiel wegen Geld und Macht.
Die Kanonissen wollten sich nichts sagen lassen
vom Bürgermeister oder anderen mächtigen Männern.
Viele Besucher
Das Damenstift war aber auch wichtig für Neuss:
Es kamen viele Besucher zum Damenstift.
Sie wollten Knochen vom Heiligen Quirin ansehen.
Diese Besucher nennt man auch Pilger.
Die Kanonissen haben sich um die Pilger gekümmert.
Neuss wurde durch die Pilger bekannter.
Das Damenstift hatte einige Mühlen und Höfe.
Die Mühlen und Höfe hat das Damenstift vermietet.
So hat das Damenstift Geld verdient.
Bau vom Quirinusmünster
Im Jahr 1209 war Sophia die Äbtissin.
Sie hat eine neue Kloster-Kirche bauen lassen.
Diese Kloster-Kirche ist heute das Quirinusmünster.
Ende vom Damenstift
Im Jahr 1802 herrschten die Franzosen in Neuss.
Die Franzosen bestimmten, dass fast alle Klöster schließen mussten.
Dazu gehörte auch das Damenstift St. Quirin.
Die Menschen aus den Klöstern mussten die Stadt verlassen.
Auch die Kanonissen flüchteten.
Das Gelände und die Gebäude hat man verkauft.
Dann hat man die Gebäude abgerissen.
Im Jahr 1979 konnte man einige Keller vom Damenstift ausgraben.
Die Infos und Texte sind aus dem Stadt-Archiv Neuss.
Cornelius Uerlichs hat das Aussehen von der Info-Tafel geplant.
Der Text in Leichter Sprache ist von:
© Büro für Leichte Sprache, Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Bremen e. V., 2026.
St. Quirin’s Convent
The name of this square, created in 2018, commemorates the Benedictine Convent of St. Quirin, founded around 950 and located north of the cathedral. At the turn of the 13th century, the convent was converted into a spiritual community for women with a much more open way of life. The canonesses living in this type of institution for the spiritual well-being of unmarried women mostly came from the Lower Rhine landed gentry. From then on, they were no longer nuns. As such, they were allowed to wear secular clothing, have their own possessions and their own homes, and leave the convent – typically through marriage. The canonesses had the task of performing religious duties and looking after pilgrims. The community consisted of an average of 15 women – led by an elected abbess – who also represented them externally. Usually coming from the high (Rhenish) nobility, she was often a sister of the Archbishop of Cologne. Initially, pastoral care for the women was the responsibility of the abbot of the Benedictine monastery in Gladbach – though it was later taken over by secular clergy. These were canons, who also lived on the convent grounds. Such a situation led to both internal strife and ecclesiastical censure regarding the lifestyle in the spiritual community.
Since its foundation, the history of the religious community had been marked by a conflict-ridden relationship with the city – in terms of politics, economic foundations and social organisation. The canonesses acted as independent, self-confident figures who helped shape the fortunes of Neuss. Besides the social status of the abbess in particular, this was also due to the fact that the St. Quirin Spiritual Community was an important economic factor in the city. It owned extensive land and several mills – all generating considerable income. Moreover, relocating the remains of Saint Quirinus – which according to legend was done in 1050 by Abbess Gepa – had led to the convent developing into an important pilgrimage centre, where it gained importance beyond the confines of the region.
The new construction of the convent church – today’s Quirinus Cathedral, which was initiated by Abbess Sophia in 1209 – should also be seen in this context. After actively shaping the history of the city and the church for around 800 years, the religious community was dissolved in 1802 during the course of secularisation. The canonesses fled across the Rhine, the spiritual community’s buildings were demolished and the stones sold. Only a few cellars remained, which were uncovered during archaeological excavations in 1979 and converted.
Sources and texts: Neuss municipal archives
Abbaye des Dames de Saint-Quirin
Le nom de la place créée en 2018 rappelle le monastère des religieuses bénédictines dédié à Saint-Quirin, fondé vers 950 et situé au nord de la collégiale. Le monastère fut transformé, au tournant du XIIIe siècle, en une abbaye des Dames, qui adopta alors des formes de vie sensiblement plus ouvertes, caractéristiques des églises collégiales. Les dames du chapitre (chanoinesses) qui vivaient dans ce type d’établissement destiné aux femmes non mariées provenaient le plus souvent de la noblesse terrienne du Bas-Rhin. Elles ne furent désormais plus considérées comme des nonnes, étaient autorisées à porter des vêtements civils, à posséder des biens et un logement personnels et pouvaient quitter la communauté religieuse, notamment en cas de mariage. Les chanoinesses avaient des obligations liturgiques à accomplir et devaient veiller à l’accueil et à l’accompagnement des pèlerins. La communauté comptait en moyenne une quinzaine de femmes, placées sous l’autorité d’une abbesse élue, qui les représentait également à l’extérieur. Elle était le plus souvent issue de la haute noblesse (rhénane) – il s’agissait fréquemment d’une sœur de l’archevêque de Cologne. L’accompagnement spirituel des dames dépendait d'abord de l’abbé de l’abbaye bénédictine de Gladbach. Par la suite, il fut assuré par des clercs séculiers, les chanoines, lesquels vivaient également au sein de l’enceinte capitulaire. Cela entraîna à la fois des conflits internes et des reproches de la part des autorités ecclésiastiques concernant le mode de vie au sein du chapitre.
Depuis sa fondation, l’histoire du chapitre a été marquée, sur les plans politique, économique et social, par une relation conflictuelle et changeante avec la ville. Les dames du chapitre se comportèrent comme des actrices indépendantes et conscientes de leur rôle, influençant elles aussi l’évolution de Neuss. Outre la position sociale, notamment celle de l’abbesse, cela tenait aussi au fait que le chapitre Saint Quirin constituait un important facteur économique pour la ville. Il possédait de vastes domaines ainsi que plusieurs moulins, qui assuraient d’importants revenus. Par ailleurs, depuis la translation des reliques de saint Quirin, que la légende attribue à l’abbesse Gepa en 1050, le monastère s’était développé en un important centre de pèlerinage et avait acquis un rayonnement dépassant la région.
Dans ce contexte, il faut sans doute également comprendre la reconstruction de l’église conventuelle, l’actuelle basilique Saint-Quirin, entreprise en 1209 à l’initiative de l’abbesse Sophie. Après avoir contribué activement, durant près de huit siècles, à l’histoire de la ville et de l’Église, l'abbaye des Dames fut supprimée en 1802 dans le cadre de la sécularisation. Les dames du chapitre s’enfuirent par delà le Rhin, les bâtiments du chapitre furent démolis et les pierres vendues. Il ne subsista que quelques caves, mises au jour lors de fouilles archéologiques en 1979 et réaménagées.
Sources et texte : archives de la ville de Neuss
Bilder
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Grundriss des Damenstifts von St. Quirin von Südosten, übertragen in den heutigen Stadtplan. - ©
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Äbtissin mit Stiftsdamen hinter den Kanonikern und dem Schrein bei der Quirinusprozession, um 1610 (Clemens Sels Museum Neuss, Leihgabe der Pfarrkirche St. Quirin) -
Der heilige Quirinus mit der Pfarr- und
Stiftskirche, um 1670- ©
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Kanonisse des Quirinusstifts, Kupferstich um 1760 - ©
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Das Quirinusstift mit Kreuzgang und Versorgungsgebäuden nördlich des Münsters, digitale
Rekonstruktion. Außer einem Grundrissplan aus dem Jahr 1802 sind keine
Abbildungen des Damenstifts überliefert.- ©
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Relikte des ehemaligen Klosterkellers unter den Häusern zwischen Quirinus- und Münsterstraße
bei der Freilegung 1979- ©
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Ehemaliger Klosterkeller nach dem Umbau zum Weinlokal „Stiftskeller“, um 2000 - ©
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Leichte Sprache
Info „Damenstift St. Quirin“ (leichte Sprache)
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