Erste Beigeordnete und Stadtkämmerin Meike Folkerts bei der Einbringung des Haushaltsplanentwurfs

Haushalt 2027: Stabilisieren und weiter in Neuss investieren

Rat nimmt Haushaltsplanentwurf entgegen – Stadt setzt trotz schwieriger Finanzlage Schwerpunkte bei Bildung, Betreuung, Sicherheit, Infrastruktur und gesellschaftlichem Zusammenhalt

Der Rat der Stadt Neuss hat in seiner Sitzung am Freitag, 18. September 2026, den Haushaltsplanentwurf für das Jahr 2027 entgegengenommen. Die Erste Beigeordnete und Stadtkämmerin Meike Folkerts brachte den Entwurf mit ihrer ersten Haushaltsrede in den Rat ein. Zugleich legte die Stadtverwaltung ein Maßnahmenpaket vor, mit dem der Haushalt in den kommenden Jahren stabilisiert werden soll.

Der Haushaltsplan und die vorgeschlagenen Maßnahmen werden nun in den politischen Gremien beraten. Der Rat kann die Vorschläge annehmen, verändern, durch eigene Maßnahmen ergänzen oder ablehnen. Die endgültige Entscheidung über den Haushalt 2027 ist für Dezember vorgesehen.

„Wir können noch handeln“

Der Haushaltsplanentwurf weist für 2027 ein Defizit von rund 47,5 Millionen Euro aus. Auch in den Folgejahren bleiben erhebliche Lücken. Ohne Gegenmaßnahmen würden sich die Defizite bis 2030 auf insgesamt rund 190 Millionen Euro summieren.

Dabei plant die Stadt für 2027 bereits mit Gewerbesteuereinnahmen von rund 235,5 Millionen Euro. Dass dennoch eine deutliche Lücke bleibt, zeigt: Es handelt sich nicht um eine kurzfristige Entwicklung. Die laufenden Einnahmen reichen nicht mehr aus, um die steigenden Ausgaben dauerhaft zu decken. Gründe dafür sind unter anderem höhere Kosten für soziale Leistungen, Personal, Sach- und Dienstleistungen sowie steigende Umlagen.

Noch verfügt Neuss über eine solide Eigenkapitalbasis und damit über eigene Handlungsmöglichkeiten. Ohne Gegensteuerung würde das Eigenkapital nach der aktuellen Planung jedoch von rund 657 Millionen Euro Ende 2026 auf rund 467 Millionen Euro im Jahr 2030 sinken.

„Wir können noch handeln“, betonte Stadtkämmerin Meike Folkerts.

Ziel ist es, die finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt zu erhalten und ein Haushaltssicherungskonzept möglichst zu vermeiden. Ein solches Verfahren würde den eigenen Entscheidungsspielraum der Stadt erheblich einschränken und könnte deutlich stärkere Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger sowie weitergehende Kürzungen bei städtischen Angeboten zur Folge haben.

Maßnahmenpaket wird politisch beraten

Das von der Verwaltung vorgeschlagene Stabilisierungspaket könnte bis 2030 eine Verbesserung von insgesamt fast 90 Millionen Euro bewirken. Es enthält Vorschläge aus allen Bereichen der Stadt und des Stadtkonzerns. Dazu gehören effizientere Verwaltungsabläufe, eine engere Zusammenarbeit der städtischen Unternehmen, die Überprüfung von Standards und Zuschüssen sowie mögliche zusätzliche Einnahmen.

Einige Vorschläge betreffen interne Abläufe, andere wären für Bürgerinnen und Bürger unmittelbar spürbar. Die möglichen Folgen sollen deshalb offen benannt und im politischen Verfahren sorgfältig abgewogen werden.

„Es geht nicht darum, Neuss kleinzusparen. Es geht darum, auch in Zukunft gestalten zu können“, erklärte Folkerts.

Das Stabilisierungskonzept ist keine einmalige Sparrunde, sondern der Beginn eines mehrjährigen Prozesses.

Investitionen in Bildung und Betreuung

Auch in einer schwierigen Haushaltslage investiert die Stadt weiter in die Lebensqualität. Ein besonderer finanzieller Schwerpunkt liegt auf der Betreuung von Kindern. Für eine stabile Betreuungslandschaft mit bedarfsgerechten Plätzen sind rund 118,8 Millionen Euro an Transferleistungen vorgesehen. Hinzu kommen Investitionen in die Schaffung weiterer Kita-Plätze.

Auch die bereits begonnenen Schulbaumaßnahmen werden fortgeführt. Dazu gehören insbesondere die Erweiterung der Gymnasien für die Rückkehr zu G9 sowie der Ausbau der Offenen Ganztagsschule. Seit dem Schuljahr 2026/2027 gilt der Rechtsanspruch auf einen Ganztagsplatz zunächst für den ersten Grundschuljahrgang. Die dafür notwendigen räumlichen und organisatorischen Voraussetzungen werden gemeinsam mit den Schulen und Trägern weiter ausgebaut.

Für die Bereitstellung, Instandhaltung, Sanierung und Weiterentwicklung der Schulgebäude sind 2027 rund 41,5 Millionen Euro vorgesehen. Weitere rund 2,7 Millionen Euro fließen in Hard- und Software. Alle Schulen verfügen inzwischen über einen Glasfaseranschluss. Die Unterrichtsräume werden mit moderner Präsentationstechnik ausgestattet.

Sicherheit und gesellschaftlicher Zusammenhalt

Mit der personellen Ausstattung des Kommunalen Service- und Ordnungsdienstes sichert die Stadt eine sichtbare und ansprechbare Präsenz im öffentlichen Raum. Die Haushaltsmittel ermöglichen regelmäßige Kontrollen, die notwendige Ausrüstung und die Fortbildung der Beschäftigten.

Auch die Feuerwehr wird weiter gestärkt. Mit der zweiten Hauptwache in Hoisten wurde das Zwei-Wachen-Modell gestartet und die Abdeckung des Neusser Südens verbessert. Neue Übungsanlagen erweitern die Ausbildungsmöglichkeiten. Ein Teil des Gebäudes dient dem Löschzug Hoisten und unterstützt damit das ehrenamtliche Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr.

Die Stadt finanziert darüber hinaus soziale Angebote, die unmittelbar in den Stadtteilen wirken. Dazu gehören die offene Kinder- und Jugendarbeit, Hilfen für Familien und Alleinerziehende, Integrationsprojekte sowie Angebote der Wohnungslosenhilfe. Ein Beispiel ist der 2026 eröffnete zweite Tagesaufenthalt „StattRaum“ für wohnungslose Menschen und Personen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten.

Investition in die Zukunft der Innenstadt

Nicht zuletzt investiert die Stadt gezielt in die Zukunft der Neusser Innenstadt. Ein zentrales Projekt ist die Entwicklung des ehemaligen Kaufhof-Gebäudes zum „Konvent“. Das Vorhaben ist kein Profitcenter, sondern eine Investition im Sinne aktiver Wirtschaftsförderung.

Mit neuen Nutzungen, attraktiven Ankermietern und der Bibliothek der Zukunft soll ein neuer Anziehungspunkt entstehen, der zusätzliche Menschen in die Innenstadt bringt und auch das Umfeld stärkt. Die anstehenden Rückbau- und Entkernungsarbeiten markieren dabei den nächsten Schritt.

Auch mit dem Bürgerpark auf dem Gelände der Landesgartenschau entsteht ein dauerhaft nutzbarer Grün-, Sport- und Erholungsraum. Fortgeführt werden außerdem Investitionen in Straßen, Wege und Plätze, in sichere Schulwege, die kommunale Wärmeplanung und den Ausbau von Photovoltaik auf städtischen Gebäuden.

Gezielt investieren, konsequent priorisieren

Nicht jedes neue Vorhaben wird angesichts der finanziellen Lage unverändert umgesetzt werden können. Künftig muss noch genauer geprüft werden, welche Investitionen besonders dringend und wirksam sind und welche Folgekosten sie verursachen. Bereits begonnene und notwendige Vorhaben, insbesondere in Schulen und Ganztagsbetreuung, sollen jedoch verlässlich fortgeführt werden.

>Wir konsolidieren heute nicht, um morgen weniger zu gestalten. Wir konsolidieren heute, damit wir auch morgen selbst gestalten können“, fasste Stadtkämmerin Meike Folkerts das Ziel zusammen.

Mit der Einbringung des Haushalts beginnen nun die Beratungen in den Fachausschüssen und Ratsfraktionen. Dabei geht es darum, die städtischen Finanzen zu stabilisieren und zugleich die Leistungen und Investitionen zu sichern, die Neuss lebenswert, sozial, sicher und zukunftsfähig machen.