01. Februar 2026

Neuss trauert um Prof. Dr. Rita Süssmuth, erste Ehrenbürgerin der Stadt

Die Stadt Neuss nimmt in tiefer Trauer Abschied von Prof. Dr. Rita Süssmuth, die am 1. Februar 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben ist. Mit ihr verliert unsere Stadt ihre erste Ehrenbürgerin und eine Persönlichkeit von herausragender Bedeutung für politische Kultur, gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie das Leben in Deutschland und in Neuss.

Prof. Dr. Rita Süssmuth lebte seit mehr als fünf Jahrzehnten in Neuss. Die Quirinusstadt war ihr Lebensmittelpunkt und ihre Heimat. Ihr langjähriges politisches und gesellschaftliches Engagement, ihre Überzeugungskraft und ihr Einsatz für den Dialog machten sie zu einer prägenden Stimme in unserer Stadtgesellschaft.

Am 18. März 2023 verlieh die Stadt Neuss Rita Süssmuth im Alten Ratssaal das Ehrenbürgerrecht – die höchste Auszeichnung der Stadt, die in Neuss nur selten vergeben wird. Erstmals wurde diese Würde an eine Frau verliehen.

Bürgermeister Reiner Breuer würdigt Rita Süssmuth mit einer persönlichen Erklärung:
 

Mit Prof. Dr. Rita Süssmuth verliert Neuss seine erste Ehrenbürgerin – und wir verlieren eine Frau, die uns gezeigt hat, was Haltung bedeutet.

Viele Weggefährten haben Rita Süssmuth als Kämpferin beschrieben. Aber noch stärker verband man mit ihr etwas anderes: durchhalten, nicht aufgeben, weitermachen. Sie hat nie den bequemen Weg gesucht. Und wer sie für unbequem hielt, machte ihr – wie Hermann Gröhe es in seiner Laudatio zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde treffend formulierte – in Wahrheit ein Kompliment.

Sie war zugleich eine überzeugte Brückenbauerin. Rita Süssmuth glaubte an die Kraft des Gesprächs – daran, dass etwas entsteht, wenn Menschen miteinander reden: manchmal nicht sofort, manchmal gegen Widerstände, aber immer mit dem festen Willen, nicht zu resignieren.

Neuss war ihr Zuhause. Sie lebte seit mehr als einem halben Jahrhundert in unserer Quirinusstadt – und sie hat berührend beschrieben, was Heimat für sie bedeutet: Menschen, denen man vertraut, Wege, die man kennt – ein Ort, an dem man bleibt. Dieses Bekenntnis zu Neuss war echt und tief.

Am 18. März 2023 durften wir Rita Süssmuth im Alten Ratssaal das Ehrenbürgerrecht verleihen – die höchste Auszeichnung, die unsere Stadt zu vergeben hat, und ein in Neuss ohnehin sehr seltenes Ereignis. Dass erstmals eine Frau diese Würde erhielt, war nicht nur überfällig, sondern ein wichtiges Zeichen: Frauen gestalten Stadt, Staat und Gesellschaft mit und das soll Anerkennung finden. Und Rita Süssmuth hat in ihrem langen politischen Wirken insbesondere Frauen immer wieder Mut gemacht sich einzubringen und zu sagen: Ja – es lohnt sich.

Dabei war ihr stets eine große Bescheidenheit eigen, die auch bei der Verleihung der Ehrenbürgerwürde deutlich wurde. Sie habe diese Auszeichnung eigentlich nicht verdient, sagte sie – fügte aber gleich hinzu, dass sie nun etwas daraus machen wolle. Und genau das tat sie in und für Neuss.

Rita Süssmuth verstand die Ehrenbürgerwürde nicht alleine als Auszeichnung, sondern als Auftrag. Sie brachte sich in das gesellschaftliche Leben unserer Heimatstadt ein, suchte den Austausch insbesondere mit jungen Menschen, interessierte sich für lokale Debatten und nahm Anteil an dem, was Neuss bewegte. Der Austausch zwischen den Generationen war ihr ein besonderes Anliegen.

Auch ihr Wirken in Neuss war stets geprägt von Haltung, Dialogbereitschaft und dem Wunsch, Gemeinschaft zu stärken. Sie war nicht nur „in Neuss zu Hause“, sondern Teil der Neusser Stadtgesellschaft. Sie kannte und schätzte das rheinische Miteinander ebenso wie die Traditionen unserer Stadt – darunter auch das Neusser Bürger-Schützenfest, das sie als Ausdruck von Zusammenhalt und sozialer Verantwortung verstand.

Dass sie dabei nicht nur Beobachterin war, durfte ich selbst erlebten: Beim gemeinsamen Abnehmen der Schützenparade stand sie an meiner Seite – aufmerksam, präsent und mit dem Durchhaltevermögen, das viele mit ihr verbinden. Auch hier blieb sie sich treu.

Ihr Wirken lässt sich nicht auf ein einzelnes Thema reduzieren. Sie hat Politik und Zeitgeschehen in Deutschland entscheidend mitgeprägt – als Bundesministerin und als Präsidentin des Deutschen Bundestages, aber ebenso als streitbare Demokratin, die sich für Gleichberechtigung, Vielfalt, Integration und das Gemeinwohl eingesetzt hat. Gerade in einer Zeit, die viele Menschen als krisenhaft und herausfordernd erleben, bleiben solche Persönlichkeiten Orientierung.

Dass heute eine Neusser Schule ihren Namen trägt – die Rita-Süssmuth-Realschule – ist und bleibt für mich ein besonders starkes Zeichen: Ihr Lebenswerk wirkt weiter, jeden Tag, dort, wo Zukunft beginnt – bei jungen Menschen. 

Wir sind dankbar für alles, was Rita Süssmuth unserer Stadt und unserem Land gegeben hat. Ihre Stimme, ihre Haltung und ihr Mut werden fehlen.

Ihr Vorbild bleibt.

 

Als Zeichen der Anteilnahme hat Bürgermeister Reiner Breuer Trauerbeflaggung am Rathaus angeordnet. Zudem liegt ab morgen früh im Foyer des Neusser Rathauses ein Kondolenzbuch aus, in das sich alle Bürgerinnen und Bürger zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses eintragen können.

Prof. Dr. Rita Süssmuth hinterlässt ein bleibendes Vermächtnis – geprägt von Haltung, Dialogbereitschaft und dem Einsatz für Demokratie, Gleichberechtigung und generationsübergreifenden Austausch.