Fünf Jahre UNESCO-Welterbe: Neuss macht seine römische Geschichte sichtbar

Festwoche vom 26. Juli bis 2. August

Die römische Geschichte von Neuss liegt vielerorts direkt unter unseren Füßen. Das Legionslager Novaesium, römische Straßen und zahlreiche archäologische Funde zeugen von den Anfängen der mehr als 2.000-jährigen Stadtgeschichte. Vom 26. Juli bis zum 2. August 2026 lädt eine Festwoche auf der Landesgartenschau und im Clemens Sels Museum Neuss dazu ein, dieses besondere Erbe kennenzulernen. Gleichzeitig arbeitet die Stadt Neuss daran, die bislang überwiegend im Boden verborgenen Spuren des Niedergermanischen Limes stärker im Stadtbild sichtbar und erlebbar zu machen.

Eine Woche im Zeichen der Römer

Anlass der Festwoche ist der fünfte Geburtstag des UNESCO-Welterbes Niedergermanischer Limes. Rund 450 Jahre lang bildete der Rhein die „nasse“ Grenze des Römischen Reiches. Seit 2021 gehören die erhaltenen Spuren dieser Grenze zum UNESCO-Welterbe – darunter auch bedeutende Fundstellen im Neusser Stadtgebiet.

Den Auftakt bildet am Sonntag, 26. Juli, um 11.30 Uhr die Eröffnungsmatinée „Leben am Limes. Neue archäologische Ausgrabungen in Neuss“ im Clemens Sels Museum. Am Freitag, 31. Juli, folgt ab 15 Uhr der offizielle Festakt auf der Sparkassen-Bühne der Landesgartenschau.

Höhepunkt ist das Römerfest am Samstag und Sonntag, 1. und 2. August, jeweils von 11 bis 17 Uhr. Die I. Römercohorte Opladen schlägt auf dem Gelände ein römisches Marschlager auf und zeigt, wie das Leben in einer Legion im ersten Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Hinzu kommen Schaukochen, Vorführungen, Vorträge, Führungen und zahlreiche Mitmachangebote.

Mit VR-Brillen können Besucherinnen und Besucher außerdem durch eine dreidimensionale Rekonstruktion des antiken Neuss reisen. Für Kinder gibt es unter anderem Workshops zu römischen Speisen, Heilpflanzen und Spielen.

Eine verborgene Stadt unter Gnadental

Novaesium war weit mehr als eine militärische Befestigung. Das Legionslager besaß Straßen, Tore, Verwaltungsgebäude, Unterkünfte, Werkstätten und Versorgungseinrichtungen. Gemeinsam mit den angrenzenden Siedlungen bildete es einen bedeutenden Lebens- und Wirtschaftsraum am Niederrhein.

Die Überreste des Lagers befinden sich heute größtenteils geschützt im Boden des Stadtteils Gnadental. Gerade ihr guter Erhaltungszustand macht sie archäologisch so wertvoll. Gleichzeitig ist bislang nur schwer zu erkennen, welche Ausmaße das Legionslager hatte und wo sich seine wichtigsten Gebäude und Tore befanden.

Das soll sich ändern. Der Rat der Stadt Neuss hat eine Planung beschlossen, mit der das Legionslager entlang der Kölner Straße baulich und visuell vermittelt werden soll. 

Drei Orte erzählen von Novaesium

Das Konzept sieht drei Vermittlungsorte vor, die wichtige Punkte innerhalb des früheren Legionslagers markieren.

An der Porta Principalis dextra, dem östlichen Haupttor in der Nähe der Haltestelle Sporthafen, soll die vorhandene Grünfläche aufgewertet werden. Eine Darstellung der ehemaligen Lagermauer soll zeigen, wo das befestigte Lager endete.

Am Locus Gromae, der vermessenen Lagermitte, ist ein Aufenthaltsbereich mit einem begehbaren Plan des Legionslagers vorgesehen. Eine perspektivische Darstellung soll außerdem einen Eindruck davon vermitteln, wie eine römische Straße innerhalb des Lagers ausgesehen haben könnte.

An der Porta Principalis sinistra, dem westlichen Haupttor, soll der bestehende historische Rundweg weiterentwickelt werden. Stege, Informationstafeln, Hörstationen, Vitrinen, Tastobjekte sowie digitale und analoge Angebote sollen dort vom Leben der Menschen in Novaesium erzählen. 

Die Kölner Straße folgt in diesem Bereich weitgehend dem Verlauf der früheren römischen Limesstraße. Der Weg zwischen den Vermittlungsorten wird damit selbst zu einem archäologischen Spaziergang durch das ehemalige Lager. 

Römische Geschichte auf der Landesgartenschau

Auch auf dem Gelände der Landesgartenschau begegnet den Besucherinnen und Besuchern die römische Vergangenheit von Neuss.

Der Römerspielplatz greift den Aufbau eines Legionslagers spielerisch auf. Im Römischen Garten erfahren Gäste, welche Nutz-, Heil- und Zierpflanzen die Menschen in der Antike verwendeten.

Am Sporthafen macht ein bronzenes Tastmodell die Lage und Gliederung des Legionslagers anschaulich. Das Modell zeigt auch die Porta Praetoria – das Haupttor, das in Richtung Rhein und damit zur damaligen Grenze des Römischen Reiches führte. Der Standort liegt an beliebten Rad- und Wanderwegen.

Der Wachturm am Reckberg

Eine weitere bedeutende Station liegt südlich des Legionslagers am Reckberg zwischen Grimlinghausen und Uedesheim. Dort befanden sich in römischer Zeit ein Kleinkastell und ein Wachturm. Die Fundstelle gehörte zur Sicherung und Beobachtung der Rheingrenze und ist heute ein wichtiger Bestandteil des Neusser Anteils am Niedergermanischen Limes.

Die Rekonstruktion des römischen Wachturms macht diese Geschichte schon aus der Entfernung sichtbar. Das Bauwerk wurde nach dem aktuellen Forschungsstand umfassend instand gesetzt. Schadhafter Putz wurde erneuert und beschädigte Teile der Holzkonstruktion wurden ausgetauscht. In den Putz eingezeichnete und rot hervorgehobene Fugen vermitteln den Eindruck großer Steinquader und orientieren sich am vermuteten Erscheinungsbild römischer Wachttürme.

Die Restaurierung wurde mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen umgesetzt. Der Wachturm veranschaulicht, wie die Römer die Grenze am Rhein kontrollierten, und verbindet das archäologische Bodendenkmal mit einem weithin sichtbaren Orientierungspunkt in der Landschaft.

Das römische Neuss entdecken

Vom Römerspielplatz auf der Landesgartenschau über das Tastmodell am Sporthafen und die Zeugnisse des Legionslagers in Gnadental bis zum Wachturm am Reckberg lässt sich die römische Geschichte von Neuss an unterschiedlichen Orten entdecken.

Weitere Einblicke bietet die Römische Sammlung des Clemens Sels Museums. Archäologische Funde, Rekonstruktionen und interaktive Angebote erzählen dort vom militärischen und zivilen Alltag in Novaesium.

Die Festwoche ist damit nicht nur eine Geburtstagsfeier. Sie lädt Neusserinnen und Neusser sowie die Gäste der Stadt dazu ein, genauer hinzusehen: Die römische Vergangenheit ist in Neuss nicht weit entfernt. Sie prägt die Stadt bis heute.