Erster Baustein für den Wendersplatz
Der Siegerentwurf für den IHK-Campus Zukunft steht fest: Auf dem Wendersplatz soll ein moderner Ort für berufliche Bildung, Austausch und Innovation entstehen. Zugleich setzt das Projekt einen wichtigen städtebaulichen Impuls – an der Verbindung zwischen der Neusser Innenstadt, dem künftigen Bürgerpark und dem Hafen.
Zwischen dem Wendersplatz und der Industrie- und Handelskammer besteht eine bemerkenswerte historische Verbindung:
„Der Platz ist nach dem früheren Neusser Bürgermeister Carl Wenders benannt, der die Stadt von 1882 bis 1889 leitete. Seine Tochter Anna heiratete den Neusser Unternehmer Cornelius Thywissen, der später Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Neuss wurde“, berichtet Bürgermeister Reiner Breuer bei der Vorstellung des Siegerentwurfs für den neuen IHK-Campus.
Mit dem IHK-Campus erhält diese historische Verbindung mehr als ein Jahrhundert später einen sichtbaren Bezug zur Gegenwart. Wo lange vor allem Autos parkten, soll schrittweise ein lebendiger Stadtraum entstehen. Den Anfang macht der „IHK-Campus Zukunft“ der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein.
Wie dieses erste Gebäude aussehen soll, steht nun fest. Den Zuschlag hat die Thomas Müller Ivan Reimann Architekten GmbH aus Berlin erhalten. Vier Architekturbüros hatten Entwürfe eingereicht. Eine sechsköpfige Jury mit jeweils drei Vertreterinnen und Vertretern der IHK und der Stadt Neuss hat die Vorschläge bewertet.
Von der Innenstadt direkt ins Grüne
Der rund 19.700 Quadratmeter große Wendersplatz liegt an einer für Neuss besonders wichtigen Stelle: zwischen der historischen Innenstadt, dem Hafen und dem neuen Stadtpark „Grünes Herz“. Dieser bleibt nach der Landesgartenschau dauerhaft als Bürgerpark erhalten.
Der Wendersplatz wirkt dabei wie ein Scharnier. Er verbindet den Markt und die Innenstadt mit dem neuen Park und stellt zugleich den Bezug zum Hafen her. Die im Zuge der Landesgartenschau neu gestalteten Wege und Übergänge machen diese Verbindung bereits heute besser erlebbar und erleichtern den Weg zu Fuß oder mit dem Fahrrad.
Dauerhaft soll der Wendersplatz jedoch mehr als ein Durchgangsort sein. Auf drei Teilflächen sollen nach und nach Gebäude entstehen. Dazwischen ist ein öffentlicher Platz vorgesehen, der zum Verweilen einlädt. Angebote aus den Bereichen Bildung, Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen und Veranstaltungen sollen dafür sorgen, dass hier über den gesamten Tag hinweg Menschen zusammenkommen.
„Der Wendersplatz wird künftig eine besondere Scharnierfunktion übernehmen: Er bildet den Übergang vom Markt und der Innenstadt zum neuen Bürgerpark, der nach der Landesgartenschau dauerhaft erhalten bleibt. Genau an dieser wichtigen Verbindung wird der IHK-Campus für Begegnung, Austausch und Belebung sorgen. Damit gewinnt nicht nur der Wendersplatz, sondern die gesamte Neusser Innenstadt einen attraktiven neuen Anziehungspunkt“, sagt Bürgermeister Reiner Breuer.
Der IHK-Campus macht den Anfang
Der IHK-Campus wird parallel zur Hammer Landstraße errichtet. Damit bildet der Campus den Auftakt für die weitere Entwicklung des Wendersplatzes.
Für die Stadt geht es dabei nicht allein um ein neues Gebäude. Der Campus soll Menschen auf den Platz bringen und die Verbindung zwischen Innenstadt und Bürgerpark beleben. Gut einsehbare Bereiche im Erdgeschoss und öffentlich zugängliche Angebote sollen den Campus mit dem Platz und seiner Umgebung verbinden.
„Für die Belebung des Wendersplatzes ist entscheidend, was im Erdgeschoss geschieht. Eine einladende Gastronomie, die sich zum neuen Platz und zur Innenstadt öffnet, wird zusätzliche Besucherinnen und Besucher anziehen. Damit wird der IHK-Campus zum ersten Baustein der Erweiterung der Innenstadt in Richtung Stadtpark und zu einem wichtigen Bindeglied zwischen beiden Stadträumen“, sagt Christoph Hölters, Beigeordneter für Planung und Mobilität der Stadt Neuss.
Für die Berufliche Bildung wird der Campus eine Strahlkraft weit über die Grenze der Region hinaus haben. Junge Menschen sollen dort Berufe kennenlernen, Auszubildende und Fachkräfte neue Technologien erproben und Unternehmen innovative Bildungs- und Weiterbildungsangebote entwickeln können.
Ein Gebäude, das zu Stadt und Hafen passt
Das städtebauliche Leitbild für den Wendersplatz trägt den Titel „Heimathafen zwischen Innenstadt und Bürgerpark“. Der IHK-Campus soll deshalb nicht für sich allein stehen, sondern sich in diesen neuen Stadtraum und seine Umgebung einfügen.
Die rötlich-braune Fassadengestaltung nimmt die Farben und die industrielle Prägung des unmittelbar angrenzenden Neusser Hafens auf. Holz, Stahl und begrünte Fassadenelemente verbinden diesen Bezug mit einer offenen, modernen Architektur. Transparente Flächen sollen Einblicke in das Gebäude ermöglichen und zeigen, was im Campus geschieht. Begrünte Dachterrassen und ein Dachgarten schaffen zusätzliche Aufenthaltsbereiche mit Blick über die Stadt und den Hafen.
„Der Entwurf der Thomas Müller Ivan Reimann Architekten GmbH überzeugt durch einen besonders innovativen Ansatz und die gelungene Einbindung in das Umfeld am Wendersplatz. Der Entwurf gibt unserem Anspruch an einen offenen und zukunftsgerichteten Campus eine starke architektonische Form“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz.
Ein offener Ort zum Lernen und Begegnen
Auf rund 4.000 Quadratmetern soll ein vielseitiger Bildungs- und Begegnungsort entstehen. Mittelpunkt des Gebäudes ist ein offenes Foyer, das sich über drei Geschosse erstreckt. Eine große Treppe verbindet die verschiedenen Bereiche und kann zugleich als Treffpunkt und Veranstaltungsort genutzt werden.
Geplant sind unter anderem Werkstätten für virtuelle und erweiterte Realität, digitale Studios, Lernlabore sowie Räume für Kreativität, Beratung, Veranstaltungen und Austausch. Flexible Grundrisse ermöglichen es, die Räume später an neue Anforderungen anzupassen.
Auch Nachhaltigkeit spielt bei der Planung eine wichtige Rolle. Vorgesehen sind unter anderem eine Holz-Hybridbauweise, CO₂-reduzierte und wiederverwertbare Baustoffe, Photovoltaik, Wärmepumpen und die Rückhaltung von Regenwasser.
Der Baubeginn ist für Anfang 2028 vorgesehen. Die Fertigstellung soll Ende 2029 erfolgen. Mit dem IHK-Campus entsteht damit der erste dauerhafte Baustein des neuen Heimathafens zwischen Innenstadt, Bürgerpark und Neusser Hafen.